Samstag, 21. Oktober 2017

Sechs Wochen Museumsluft


Jakob Krahl absolvierte Praktikum in Hösseringen

„Hier passiert viel mehr, als man auf den ersten Blick sieht.“ Jakob Krahl aus Göttingen, weiß, wovon er spricht. Sechs Wochen lang hat der Student der Kulturanthropologie in Hösseringen Museumsluft geschnuppert und in dieser Zeit viele Arbeitsabläufe kennengelernt. „Ich wollte das Arbeitsfeld Freilichtmuseum kennenlernen, weil hier viele Themenbereiche bearbeitet werden“, erläutert er seine Beweggründe für die Bewerbung zum Praktikum im Museumsdorf. Und genau dies konnte er in Hösseringen auch tun. Neben der Erarbeitung einer Führung für Schulklassen recherchierte er im Archiv, in der Bibliothek und lernte das Magazin kennen. Zudem erhielt er einen Einblick in die Dokumentation und das Katalogisieren von Museumsexponaten. Inhaltlich beschäftigte er sich hauptsächlich mit dem Thema Zwangsarbeit in der Lüneburger Heide. Hierzu plant das Museumsdorf eine Ausstellung, für deren Vorbereitung noch viel zu tun ist. „Im Museum ergeben sich viele Zugänge zu einem Thema“, hat Jakob Krahl erfahren. „Mit einigen Objekten sind persönliche Erinnerungen und Erfahrungen verbunden, die ein Thema lebendig werden lassen. Hier ist eine gezielte Recherche über Bücher und Schriftquellen hinaus möglich.“ So hat er im Rahmen seiner Forschung auch Tagebucheinträge und Hofakten aus der Region studiert. 

Neben der wissenschaftlichen Arbeit gehörte aber auch das praktische Anpacken zu seinen Museumserfahrungen. „Wir haben Zaunpfähle gerade gerückt und die Landmaschinen gereinigt und winterfest gemacht. Eben alles, was zu tun ist“, so der Student. An der Arbeit im Freilichtmuseum schätzt er insbesondere die vielen inhaltlichen Möglichkeiten sowie das Bildungs- und Mitmachpotential. In einem Jahr wird er seine Bachelorarbeit schreiben. Wie es dann weitergeht? „Museum - das könnte ich mir gut vorstellen“, fasst er zusammen.

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Kommt zum Kerzen ziehen!


Am Sonnabend, dem 21. Oktober und am Sonntag, dem 22. Oktober, jeweils von 10.30 bis 16.00 Uhr, können Kinder und Erwachsene unter Anleitung von Georg Zaja aus Bienenbüttel im Kötnerhaus auf traditionelle Weise Kerzen ziehen. Größere Stipplichte können auch erworben werden. 



Georg Zaja zeigt außerdem, wie vielseitig man die Kerzen verzieren kann. Eine Spezialität aus Schweden und Dänemark sind dreiarmige Kerzen, die unter anderem zum "Lucia-Fest" in Gebrauch waren.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Herbstprinz und Winterglockenapfel

Pomologin Eva-Maria Heller bestimmte im Museumsdorf Apfelsorten 

Im Museumsdorf Hösseringen erleben die Besucher, wie unsere Vorfahren auf dem Lande gelebt haben. Neben den Ausstellungen wird dies immer wieder anhand von Vorführungen und Aktionen zu unterschiedlichen Themen demonstriert. Am Sonntag nachmittag ging es diesmal um die Ernährungsgewohnheiten unserer Vorfahren: Die Pomologin (Apfelkundlerin) Eva-Maria Heller war im Museumsdorf zu Gast und gab eine Einführung rund um die Geschichte des Obstes, anschließend konnten die Besucher ihre Apfelsorten bestimmen lassen. 

Während in den herrschaftlichen Gärten feinstes Tafelobst angebaut wurde, bereicherte im 18. Jahrhundert das Obst die karge Kost der ländlichen Bevölkerung. „In Zeiten, wo das Getreide so knapp war, dass es zum Sattwerden nicht reichte, bildeten Obst und Gemüse die Hauptnahrung“, erläuterte die Apfel-Expertin. Das Obst wurde frisch vom Baum gegessen, späte Sorten konnten bis Mai eingelagert werden. Kleinfrüchtige frühe Birnensorten sowie Pflaumen wurden nach dem Brotbacken im Backhaus für den Winter gedörrt. „Zirka 2000 alte Apfelsorten sind in Deutschland noch heute verbreitet. Vorzüge gegenüber den modernen Sorten liegen meist in der Widerstandsfähigkeit gegenüber Schorf und anderen Krankheiten“, so Eva-Maria Heller. „Aber auch durch den sortentypischen Duft und das Aroma zeichnen sich zum Beispiel die Apfelsorten Signe Tillisch, die Landsberger Renette und Cox Orangen-Renette aus.“ Diese Sorten sowie der Borsdorfer Apfel wurden zur Verkostung angeboten. Der Borsdorfer Apfel gehört zur ältesten in Deutschland bekannten Sorte, sie ist um 1185 in einem Zisterzienserkloster nahe des Naumburger Domes entstanden. Noch um 1800 war diese Sorte die beliebteste in Deutschland und wurde sogar für den St. Petersburger Weihnachtsmarkt verkauft.
Im Rahmen der Apfelbestimmung beriet die Pomologin die Besucher unter anderem darüber, welche alten Sorten sie im eigenen Garten gut anbauen können. Auch auf gesundheitliche Aspekte des Apfels wurde eingegangen. Im Rahmen der Apfelbestimmung freute sich Eva-Maria Heller über besondere Sorten: Aus dem Forstrevier Breitenhees wurde der Weiße Winterglockenapfel vorgelegt und von der Familie Ursula Raeke aus Altenmedingen der Finkenwerder Herbstprinz.

Samstag, 7. Oktober 2017

Der Topf ist schuld

Wir haben Sauerkraut eingemacht

Regelmäßig presst Sabine Rohr den großen hölzernen Stampfer auf das Weißkraut in ihrem Tontopf. „Man muss solange stampfen, bis viel Flüssigkeit entstanden ist“, erläutert sie, „dann ist die Zellstruktur gebrochen und die Gärung kann einsetzen.“ Sabine Rohr ist an diesem Wochenende im Museumsdorf Hösseringen zu Gast, wo sie mit anderen Teilnehmern Sauerkraut
herstellt. „Schuld daran ist ein Tontopf“, erzählt sie, den hatte sie vor Jahren gekauft und damals schon einmal versucht, Sauerkraut selbst einzumachen. „Das ist uns allerdings misslungen“, lacht sie, deshalb kam die Gelegenheit, im Museumsdorf unter fachkundiger Anleitung zu lernen, wie es geht, gerade recht. „Es ist schön, hier in Gesellschaft zu arbeiten und sich kennenzulernen“, meint sie. Und während draußen immer wieder der Regen gegen die Fensterscheiben pladdert, verbreitetdas
Herdfeuer im Kötnerhaus wohlige Wärme. Der Duft von frisch geschnittenem Kohl zieht durch die Räume und überm Feuer hängt der große Eisentopf, in dem die Krautsuppe vor sich hin köchelt. Bevor es in die Mittagspause geht, müssen allerdings noch einige Tontöpfe gefüllt werden. Auch Edda Tewes aus Schattenden ist am Schneiden, Salzen und Kneten. „Ich möchte mich gesund ernähren“, sagt sie „und außerdem schmeckt kein Sauerkraut aus dem Laden so gut wie das Selbstgemachte. Wir verwenden unbehandelten Kohl aus biologischem Anbau, da wissen wir, was drin ist.“ 

Viel mehr als Salz, Lorbeer und Wacholder kommt nicht an das Kraut, den Rest erledigt die Natur.
„Es ist spannend, wie die Leute früher ihr Essen gemacht haben“, findet auch Wielant aus Suderburg. Der Elfjährige hat ebenfalls schon eifrig gestampft, geschnippelt, gehobelt und geknetet und ist beeindruckt, wieviel Mühe das alles macht. „Aus der Dose kann ja jeder“, meint er und inspiziert zwischendurch die angrenzenden Wohnräume des Kötnerhauses. Besonders spannend findet er das kleine Guckfenster aus dem Schlafzimmer in die Diele. „Wenn man mal eingesperrt wird, kann man hier raus“, überlegt er sich. Aber das braucht er zum Glück nicht ausprobieren. Mutti Gunda Poensgen ist derweil beim Salzen in der großen Molle. Sie schwört auf das Kraut, weil es viele Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe enthält. Und außerdem erinnert es sie an ihre Heimat. „Sauerkraut ist eine schwäbische Spezialität“, erzählt sie - und hat sich vorgenommen, beim nächsten Mal einen Krautkuchen zu backen.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Apfelbestimmung mit Verkostung

Der Apfel steht am Sonntag, dem 8. Oktober von 14 bis 17 Uhr im Museumsdorf Hösseringen im Mittelpunkt. Ab 14 Uhr findet eine Einführung in die Vielfalt alter Obstsorten statt. Die Pomologin Eva-Maria Heller wird über die Besonderheiten, Verwendbarkeit und den Geschmack von Obstsorten berichten und für ihre Zuhörer auch Proben zur Verkostung bereit halten. Im Foyer des Eingangsgebäudes werden dazu die verschiedensten Apfelsorten ausgestellt. 


Ab 14.30 Uhr können die Besucher ihre mitgebrachten Äpfel im Seminarraum bestimmen lassen. Dazu sollten mindestens fünf Früchte pro Sorte und nach Möglichkeit keine vom Hagel beschädigten Exemplare vorliegen.

Montag, 2. Oktober 2017

Kartoffelernte und plattdeutscher Gottesdienst

Lilli, Matthes und Joris schwärmen für Kartoffelpuffer. Und für die nächste süße Mahlzeit habe sie sogar ihre eigenen Kartoffeln geerntet: Mit ihren Eltern waren sie am Wochenende im Museumsdorf Hösseringen beim Erntedankfest dabei und ließen es sich nicht nehmen, mit vielen anderen Kindern den kleinen Kartoffelacker beim Brümmerhof abzuernten. Seit zehn Jahren werden hier die roten Erdfrüchte „Laura“ angebaut, eine „robuste Sorte“, wie Museumswart Jarek Kosiello betont.
An diesem Sonntag hat er ein wenig Mühe, den kleinen Traktor mit dem Roder über den Acker zu steuern, denn dieser ist dank der vielen Regentage ziemlich aufgeweicht. Das aber macht Lilli, Matthes und Joris nichts aus, zumal sich die Sonne an diesem Erntedankfest nicht lange bitten lässt. Auch Jonne aus Südergellersen meint, dass noch ein paar mehr Kartoffeln in seinen Erntesack passen. 
„Sonst kaufen wir die immer bei Bauer Müller“, erzählt der Sechsjährige, der nach getaner Arbeit mit den Großeltern Ellen und Günter Reimers erst einmal Pause mit frischen Kartoffeln aus dem Dämpfer macht. Auch Moritz übt sich im Pellen. „Schmeckt prima“, meint der Elfjährige aus Bargfeld und gibt noch ein bisschen Kräutersalz über seine Kartoffel. Nebenan werden Zapfentierchen und Wurfkastanien gebastelt und die Eltern haben Gelegenheit, an den vielen Ständen zu stöbern. 
Es gibt Keramik und Körbe, Lebensmittel aus der Region und Herbstdekoration. Die große Dreschmaschine ist in Betrieb und nebenan sind die Fjordpferde von Familie Kassebaum aus Hösseringen im Einsatz. Sie bewegen den großen Göpel und setzen so die alte Häckselmaschine in Gang. Auch in der Schmiede wird gearbeitet. Jasper und Tjark aus Räber haben schon Ringe geschmiedet und üben sich nun im Ziegenmelken. Tjark muss allerdings feststellen, dass das gar nicht so einfach ist. „Du musst drücken“, klärt ihn sein großer Bruder auf. Er hat auf dem Bauernhof nämlich schon gesehen, wie das geht. „Heute wird das aber mit Maschinen gemacht“, ist er sich sicher.

Ausgerichtet wurde das Erntedankfest in guter Tradition gemeinschaftlich vom Museumsteam und der Landjugend des Kreises Uelzen. Die wird in diesem Jahr unter anderem von Marten Eggers und Timo Beer aus Rosche vertreten, die die Gäste gleich beim Eingang mit Äpfeln aus eigener Ernte begrüßen und über ihre Arbeit informieren. „Solche Aktionen machen Spaß und stärken die Freundschaft. Wir sind für jeden offen“, sagt Marten und klaubt einen dicken roten Apfel aus seinem Korb. Nadine und Birthe, die ebenfalls für die Landjugend dabei sind, haben unterdessen im Kaffeezelt beim Brümmerhof alle Hände voll zu tun. Ein Tortenstück nach dem anderen wandert über den Tresen. „Die Kuchen haben wir alle selbst gebacken“, erzählen sie, das Geld soll für gemeinschaftliche Aktionen verwendet werden. Eine haben sie schon geplant: Zu Pfingsten soll es an die Ostsee gehen.
Den Erntedankgottesdienst im Brümmerhof hielt in diesem Jahr Pastor Jörn Averbeck aus Gerdau. Mit Worten des Propheten Jesaja sprach er darüber, was es heute heißt, Gutes zu tun und welche Gesichter dies haben könnte. „Ich möchte Ihnen Lust darauf machen, Gutes zu tun“, sagte der Pastor, den den gesamten Gottesdienst auf plattdeutsch hielt. Auch gesungen wurde auf platt – und wer sich da nicht ganz textsicher war, sang trotzdem mit. Die Melodien waren ja bekannt.

Mittwoch, 27. September 2017

Kommt zum Erntedank- und Kartoffelfest


Am Sonntag, dem 1. Oktober findet von 10.30 Uhr bis 17.30 Uhr das traditionelle Erntedank- und Kartoffelfest statt. Es wird gemeinschaftlich vom Museumsdorf und der Kreislandjugend Uelzen organisiert. Der musikalisch begleitete Erntedankgottesdienst beginnt um 14 Uhr und findet im Brümmerhof statt.
Vor und nach dem Gottesdienst sind an verschiedenen Stellen im Museum alte landwirtschaftliche Arbeitstechniken zu sehen. So treibt die Dampflokomobile von 1913 eine Dreschmaschine an, mit Göpelantrieb wird Stroh zum Verfüttern gehäckselt, die Schrotmühle wird betrieben und in der Schmiede raucht der Schornstein. Eine Weberin demonstriert, wie am Spinnrad Garn gesponnen wird und wie das Weben funktioniert.
Die Vorführung von Volkstänzen zeigt, dass nach der Arbeit auch noch Zeit für geselliges Leben war. Kinder können Kartoffeln sammeln, an der Sortiermaschine helfen und bei weiteren Mitmachaktionen Spaß haben. Am Lagerfeuer werden Kartoffeln geröstet und im Kötnerhaus aus Bahnsen werden am offenen Herdfeuer Apfelpfannkuchen gebacken. Auch der Kartoffeldämpfer ist in Betrieb: Die frischen heißen Kartoffeln können gleich an Ort und Stelle verkostet werden. Produkte aus der Region, Gegrilltes sowie Kaffee und Kuchen laden zu Verweilen und Genießen ein.
Und hier ein Blick auf unsere Dreschmaschine in Aktion. Also, wir sehen uns!