Donnerstag, 12. Januar 2017

Zwei Bufdis warten auf das Frühjahr

Norah hobelt Holznägel für ein Gebäude, das demnächst
im Museum aufgebaut werden soll.
Nora Schulze und Jonah Burmester schnuppern Praxisluft im Museumsdorf 
Laub harken, Gärten umgraben und Aufräumaktionen – der Winteralltag im Museumsdorf Hösseringen ist in der Regel nicht besonders spektakulär. Das mussten nun auch die beiden „Bufdis“ Nora Schulze und Jonah Burmester erfahren. „Ich habe im Vorfeld gar nicht damit gerechnet, dass ich im Museum beispielsweise Regenrinnen sauber mache“, erzählt Jonah, im Nachhinein sei ihm natürlich
Norah beim Fotografieren im Magazin. 
klar, dass solche Arbeiten in einem Freilichtmuseum auf der Tagesordnung stehen. Der 18-Jährige hat seinen Bundesfreiwilligendienst am 1. September angetreten und noch mehrere Wochen der laufenden Saison miterlebt. „Ich habe beim Auf- und Abbau für die Veranstaltungen geholfen und beim Erntedankfest das Lagerfeuer betreut“, erinnert er sich an seinen Dienstantritt. Auch die allererste Tätigkeit ist ihm im Gedächtnis haften geblieben: „Wir haben mit dem Bulli aus dem Kreishaus Toilettenpapier geholt“, lacht er. 

Jonah hat im Sommer am HEG sein Abi gemacht und möchte gerne Wirtschaftsingenieurwesen studieren, am liebsten in einem dualen Studiengang. „Ich möchte das Studium gerne mit dem Arbeitsalltag verknüpfen“, sagt er. Praxisluft schnuppert Jonah jetzt aber erst einmal am Haus Heese an der Schmiede, das gerade winterfest gemacht wird. Bufdi-Kollegin Nora lenkt den Trecker und bringt eine große Plane herbei. „Das Treckerfahren habe ich hier gelernt“, meint sie stolz. Auch Nora hat ein taufrisches Abitur in der 
Nora beim Treckerfahren.
Tasche. Was die Molzenerin später studieren möchte, weiß sie noch nicht so recht, da kommt die Praxis-Pause im Museum gerade recht. „Ich möchte gerne etwas Kreatives machen oder etwas mit Sprachen oder auf Lehramt studieren.“
Neben den Außenarbeiten werden die jungen Leute auch zu Aufräumaktionen herangezogen. Derzeit sind sie dabei, das Schriftenlager neu zu sortieren, kürzlich wurde die museumspädagogische Ausrüstung umgelagert. Beiden haben die Einsätze im Archiv und Magazin gut gefallen. Sie haben dort Neuzugänge fotografiert und die Angaben zu Objekten vervollständigt. Inhaltlich ging es dabei vielfältig zu: Kaffeekannen, Konservendosen, Babykleidung, Werkzeug – die Sammlungsbestände des Museumsdorfes sind breit gefächert. Auch für die neue Saison haben sie sich Gedanken gemacht: „Ich freue mich auf die museumspädagogische Arbeit und möchte mich besonders bei den Ferienaktionen einbringen“, sagt Nora. Einig sind sich beide darin, dass die Praxispause nach zwölf Jahren Schule gerade recht kommt. Mal vom Schreibtisch und den Lehrbüchern weg und Arbeitsalltag schnuppern, das passe zwischen den Lebensabschnitten. Nora liegt noch eines am Herzen: „Das Museumsteam ist total nett, das ist wichtig, wenn man den ganzen Tag miteinander verbringt“, sagt sie. Das Lob kann Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm zurückgeben. „Wir freuen uns über unsere engagierten Bufdis“, sagt er. Seit 2012 arbeiten regelmäßig junge Menschen im Bundesfreiwilligendienst im Museum – und das soll so bleiben.

Dienstag, 10. Januar 2017

Schlepper, Fledermäuse und Marunde

Unser Programmpaket ist geschnürt
Das Veranstaltungspaket für das neue Jahr ist geschnürt und Freunde des Museumsdorfes Hösseringen dürfen sich auch in der kommenden Saison auf ein abwechslungsreiches Angebot freuen.
Saisonstart ist am Sonntag, dem 19. März mit Handwerksvorführungen und Kinderaktionen. Von 10.30 Uhr bis 17 Uhr zeigt der Schmied sein traditionelles Handwerk, eine Weberin arbeitet am historischen Webstuhl und beantwortet
Fragen zum Thema „Spinnen und Weben“. Auch das Sägegatter aus der Zeit um 1920 und der Göpel sind in Betrieb. Die kleinen Besucher können das Arbeiten in der Schmiede und am Webstuhl ausprobieren oder Stockbrot am offenen Herdfeuer eines Bauernhauses backen.
Kurz danach, am 25. und 26. März finden zwei Lehrgänge rund um die Imkerei statt: Der Grundkurs Imkerei, Teil I: Theorie und ein Honiglehrgang mit Zertifikat. Für beide Lehrgänge ist der 1. März Anmeldeschluss.
Der erste besondere Höhepunkt im Jahreslauf wird die Eröffnung der Ausstellung „Zweite Kasse!!!“ mit Bildern und Fotos von Wolf-Rüdiger Marunde am 30. April sein. Der Karikaturist hat sich mit der Welt des ländlichen Handels und Verkehrs beschäftigt und diese in seiner unnachahmlichen Art künstlerisch, satirisch und amüsant auf die Schippe genommen. Auf Freunde historischer Traktoren wartet am 11. Juni das zweijährlich stattfindende Schlepperveteranentreffen. Ackerschlepper, Zugmaschinen und stationäre Antriebsmaschinen aus der Zeit bis um 1970 werden das Freilichtmuseum mit Tuckern und Knattern, Rauchwolken und Dieselduft und jeder Menge Fachkompetenz in Sachen Lanz, Deutz & Co. erfüllen. Die Motoren und Maschinen aus ganz Deutschland und vielleicht auch aus einigen Nachbarländern zeigen anschaulich die Geschichte der Motorisierung in der Landwirtschaft.
Das Museumsteam freut sich besonders, dass neben den Aktionstagen, Handwerksvorführungen und Themenführungen die Angebote für Kinder und Familien umfassend ausgebaut werden konnten. Basteln, Spielen und Mitmachen heißt es an vielen Tagen und ganz besonders in den Ferienzeiten. Im August ist dann wieder zur „Bat Night“ geladen. Im Rahmen der 21. Internationalen Fledermausnacht geht es mit dem Batdetektor durch das Freigelände. Außerdem finden Aktionen für Erwachsene und Kinder rund um das Thema „Fledermäuse“ statt wie Spiele und das Basteln von Nistkästen. Gruselfans dürfen sich auf Vampirgeschichten am Lagerfeuer freuen. Neu ist das Angebot „Nächtliche Tierwelt im Museumsdorf“. Mit der Natur- und Landschaftsführerin Nicola Mahnke geht es auf eine spannende Erkundungstour im Dunkeln, Fragen rund um die nächtliche Tierwelt wird mit Spaß und allen Sinnen nachgegangen.
Und außerdem: Die Häuser und Gärten, die Werkstätten und das großzügige Freigelände mit vielen unterschiedlichen Ausstellungen lohnen einen Besuch auch an jedem anderen Tag. Es gibt also jede Menge Gründe, ins Museum zu kommen. Alle Veranstaltungen sind unter dem Reiter oben zu finden!

Dienstag, 3. Januar 2017

Ein großes Dankeschön an die Fielmann AG

Im Jahre 1860 war sie brandneu – und heute erzählt sie im Museumsdorf Hösseringen aus der Vergangenheit. Eine alte Ladeneinrichtung ist derzeit Bestandteil der Sonderausstellung zum Einzelhandel in der Lüneburger Heide. Sie ermöglicht einen lebendigen Blick auf einen Teil der Geschichte unserer Region. „Um unsere Ausstellungen anschaulich und lebensnah gestalten zu können, brauchen wir Exponate aus der Region“, sagt Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm. Doch nicht immer sei das Museum aus
eigener Kraft in der Lage, Objekte für Ausstellungen herzurichten oder die finanziellen Mittel für die Restaurierung aufzubringen. Für derartige Projekte sei man auf die Unterstützung von Dritten angewiesen. Auch der Schrank und Tresen waren vor der Fertigstellung der Sonderausstellung nicht in vorzeigbarem Zustand. Restauriert werden konnten sie mit Unterstützung der Fielmann AG, die 3200 Euro zur Verfügung stellte. Dafür dankte der Museumsleiter jetzt, nach dem Ende der ersten
Ausstellungssaison, dem Leiter der Uelzener Fielmann-Niederlassung, Michael Bergbauer, und Jürgen Ostwald, der als Betreuer der Museumsförderung innerhalb der Fielmann AG die Finanzspritze möglich gemacht hatte. „Der Kontakt zum Museumsdorf Hösseringen ist über das Stadtmuseum Uelzen im Schloss Holdenstedt zustande gekommen“, erzählt Jürgen Ostwald. Etwa 150 Museen in ganz Deutschland mit Schwerpunkt Norddeutschland werden von seinem Unternehmen gefördert, insbesondere jene, die kaum einen eigenen Anschaffungsetat aufweisen können. So habe man dem Museum Schloss Holdenstedt beim Ankauf früher Arbeiten des Uelzener Malers Georg Wolf geholfen. Aber auch die Bestandspflege in den Museen liegt Jürgen Ostwald am Herzen – und das war der Anknüpfungspunkt für das Museumsdorf Hösseringen. „Es ist wichtig, unsere Kulturgeschichte zu kennen. Dazu brauchen wir unsere Museen. Sie zu unterstützen, gehört zur Philosophie unseres Hauses“, so Ostwald.

Die Ladeneinrichtung, ein Herzstück der Ausstellung, wurde um 1860 gebaut. Im Tresen befindet sich ein Schlitz zum Einwerfen von Münzen. Für das Geldwechseln musste die darunter befindliche Schieblade aufgeschlossen werden. „Für die Ausstellung wurden fehlende Holzteile und die Farbfassungen ergänzt“, erläutert Museumsleiter Dr. Brohm. Zuletzt seien die Möbel auf dem Hof Harms in Seedorf für die Hofwerkstatt genutzt worden. „Eine Schublade enthielt sogar noch Waren aus dem Laden, es handelte sich um Glaszylinder für Petroleumlampen“, so Brohm. Für die Ausstellung kombinierte das Museumsteam den großen Schrank mit einem Möbelstück für Schüttgüter, in dem früher beispielsweise Buchweizen oder Hafergrütze gelagert wurden. Dieses Möbel stammt aus dem Einzelhandelsgeschäft von Peter Maack in Bardowick. Neben der Herrichtung für Ausstellungszwecke dient die Restaurierung von Exponaten natürlich auch dem dauerhaften Erhalt als Teil der Museumssammlung. Auch hier hat das Museumsdorf ständig Bedarf. „Wir werden uns auch künftig in Hösseringen engagieren“, versprach Jürgen Ostwald zum Abschied – und Dr. Brohm hat auch schon ein Projekt im Auge.

Freitag, 16. Dezember 2016

Wenn die Weihnachtskerzen…

Georg Zaja aus Bienenbüttel zieht seine eigenen Lichte
„Mit drei Farben ist es immer schwierig, die Temperatur zu halten.“ Georg Zaja nimmt seinen jungen Helferinnen die Kerzen aus der Hand und zeigt ihnen, worauf es ankommt. „Jetzt schnell eine Runde um die Herdstelle“, sagt er und Johanna und Jost Ole gehen mit ihren Dochten vorsichtig durch das Kötnerhaus. Johanna weiß schon, wie es geht, denn sie war bereits im Vorjahr beim Kerzenzieher. Jedes Jahr zum
Saisonschluss ist Georg Zaja mit seiner Kerzenwerkstatt im Museumsdorf Hösseringen zu Gast und zeigt allen, die es sehen möchten, wie auf traditionelle Weise Kerzen gezogen werden. „Wir machen das in der Familie seit mehr als 25 Jahren“, erzählt der 61-Jährige. Kennengelernt habe er das alte Handwerk während eines Dänemark-Urlaubs. „Das war eine Papa-Aktion für die Kinder“, schmunzelt er. Um des lieben Friedens willen habe er sich breit schlagen lassen, im Hochsommer Kerzen zu
ziehen. Leicht mürrisch sei er in der kleinen Werkstatt eingetroffen. „Ich habe die Dochte aufgefädelt und dann ging der Kreislauf los“, erinnert er sich. Nach der dritten Runde mit dem Docht merkte er, der Groll war verschwunden und nach der zehnten Runde begann es, Spaß zu machen. „Je dicker die Kerzen wurden, umso mehr Ruhe und Zufriedenheit brachte mir das. Damals hätte mich doch kein Mensch zum autogenen Training auf die Matte bekommen“, erzählt er. Für Georg Zaja wird das
Kerzenmachen sein ganz privates Training für den inneren Ausgleich. „Ich habe damit meine Meditationsmöglichkeit gefunden.“ Zehn Jahre lang werden vom dem ersten Kennenlernen an in jedem Urlaub fleißig Kerzen gezogen, immer in Blavand in Dänemark. Doch die kleine Werkstatt dort wird irgendwann zugemacht und Georg Zaja entschließt sich, sein Hobby mit nach Hause zu nehmen. Viel braucht es nicht, mit einem Topf, Dochten, einen Ziehteller und Wachs kann die kleine Werkstatt in Bienenbüttel starten. Das
Ganze spricht sich schnell herum und bald werden Wünsche an Georg Zaja heran getragen. Er geht nun auch auf Märkte, besonders in der dunklen Jahreszeit sind seine Kerzen begehrt. Der Historische Weihnachtsmarkt in Lüneburg hat es ihm besonders angetan. Produziert werde aber das ganze Jahr über, immer mal spontan, je nach Stimmungslage. Seine Fachkenntnisse hat Georg Zaja in Dänemark erworben. „In jedem Urlaub ist etwas hinzu gekommen“, sagt er. „Wenn man 30 Jahre lang an den gleichen Ort
fährt, baut man Freundschaften auf.“ So sei es mit der Kerzenzieherin gewesen und noch heute fertigt Georg Zaja seine Kerzen nach skandinavischer Art. „Die dreiarmigen Kerzen symbolisieren die Dreifaltigkeit, die Form kommt von einer alten nordischen Rune“, erklärt er.

Ins Museumsdorf kommt Georg Zaja schon seit zwölf Jahren. Hier stellt er jedes Jahr die einzelnen Arbeitsgänge des Kerzenziehens vor. „Zuerst wird der Docht aufgefädelt und im Schmelztopf versiegelt“, zeigt er. Vollgesaugt mit Wachs kann der Docht dann in den großen Ziehtopf getaucht werden. Nur zwei Zentimeter dick ist die Wachsschicht im Topf, darunter befindet sich warmes Wasser, das den Wachs weich hält. Wird der kalte Kerzenkörper ins heiße Wachs getaucht, bleibt eine dünne Schicht daran kleben und erst wenn diese ausgehärtet ist, kann die Kerze erneut getaucht werden - ein Vorgang, der viele Male wiederholt werden muss, je nachdem, wie dick die Kerze werden soll. „Bei 60 Grad Temperatur muss man zweimal tauchen, um einen Millimeter Dicke zu gewinnen.“ Georg Zaja taucht die noch sehr schlanke Kerze ein, um sie auf die passende Dicke zu bringen. „Das kann schon mehrere Stunden dauern, immer im Kreisverkehr rund um den Topf“, sagt er. Zum Schluss wird der Ziehtropfen abgeschnitten.
Die größte Kerze, die Georg Zaja je gemacht hat, war ein 25-armiges Arrangement zu einer Silberhochzeit. „Das war eine Tagesarbeit“, meint er. Das Wachs ist ein Gemisch aus Paraffin, einem Erdölprodukt, und dem Pflanzenfett Stearin. „Man kann auch noch 20 Prozent Bienenwachs dazugeben, dann gibt das einen schönen Farbton und riecht beim Verbrennen gut. Früher wurden Kerzen aus Rinder- und Schaftalg hergestellt.“ Dazu habe man Schmalz sehr lange gekocht. Durch die Hitze scheidet sich das Fett vom Wasser, das Wasser sackt nach unten und oben bildet sich die Talgschicht. Daraus wurden Lichte gemacht. Das Ganze fand weitab von den Gehöften in kleinen Hütten statt, denn es war eine brandgefährliche Sache. „Auf den Bauernhöfen war es üblich, seine Lichte selbst herzustellen“, weiß Georg Zaja, nur die Reichen hatten damals Bienenwachskerzen. „Ich würde gerne mal ein Experiment machen und selber Talglichte herstellen“, meint er. Vielleicht bietet sich im Museumsdorf ja einmal die Gelegenheit…

Montag, 12. Dezember 2016

Der Neue „Zweite Mann“ in Hösseringen

Hauke-Hendrik Kutscher ist seit dem 1. November Stellvertretender Museumsleiter
Er ist der neue zweite Mann im Museumsdorf Hösseringen: Am 1. November hat Dr. Hauke-Hendrik Kutscher seinen Dienst im Freilichtmuseum angetreten. In der Nachfolge von Günther Reimers, der in diesem Jahr in den Ruhestand ging, kümmert er sich fortan um die Museumspädagogik, um das Veranstaltungsmanagement sowie um den Bereich Technik und Gebäudeunterhaltung. 

Hinzu kommen Mitwirkung bei der Betreuung der Sammlungen und der Gestaltung von Ausstellungen. Ein breit gefächertes Aufgabenspektrum für den Historiker, der zuletzt im Freilichtmuseum Detmold tätig war. „Ja, das ist richtig, das war aber auch in der Ausschreibung so dargestellt“, bestätigt er. Und genau dieses umfangreiche, aber eben auch vielfältige Arbeitsfeld erschien ihm spannend. Zudem hatten die Erfahrungen in Detmold in ihm den Wunsch reifen lassen, weiterhin in einem Freilichtmuseum tätig zu sein, aber auch neue Erfahrungen zu sammeln. Da passte die Ausschreibung in Hösseringen.

Hauke-Hendrik Kutscher wurde 1974 in Rinteln im Landkreis Schaumburg geboren und ist dort auch aufgewachsen. Nach dem Abitur absolvierte er seinen Zivildienst beim Rettungsdienst Bückeburg, eine wichtige Erfahrung, sagt er rückblickend, „weil man die eigenen Grenzen austestet und lernt, Dinge zu tun, die man sich nicht zugetraut hätte.“ Einen Bezug zur Geschichte hatte er schon in jungen Jahren, bereits als Schüler arbeitete er ehrenamtlich in einem Verein bei der evangelischen Landeskirche mit. Der kümmert sich um Gedenkstätten und organisiert auch Schüleraustauschprogramme mit Polen, die einen historischen Bezug haben. „Damals ist die Idee gereift, Geschichte zu studieren“, erinnert er sich. Hauke-Hendrik Kutscher schreibt sich in Bielefeld an der Fakultät für Geschichtswissenschaft ein, Neuere Geschichte und Zeitgeschichte sind seine Schwerpunkte, als Nebenfach wählt er Jura. Um Rechtsgeschichte geht es auch in seiner Doktorarbeit, die er 2014 abschließt. 2013 findet Hauke-Hendrik Kutscher eine Anstellung als Wissenschaftlicher Volontär beim Freilichtmuseum Detmold, hier wird er dann auch Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dokumentar. Zur Bewerbung in Hösseringen entschließt sich der junge Wissenschaftler, weil er gerne weitere Erfahrungen sammeln und auch mal „handfest arbeiten“ möchte. Deshalb gefällt ihm gerade der erweiterte Verantwortungsbereich. „Es macht mir Spaß, zwischen Wissenschaft und der Arbeit mit den Besuchern zu pendeln“, sagt er. Auch das passe im Museumsdorf, wo jeder über seinen Tellerrand schauen muss, damit der „Betrieb am Laufen bleibt“. „In Detmold gab es für alle Bereiche eigene Abteilungen, das ist in unserem kleinen Team gar nicht möglich“, fasst er zusammen. Die Lüneburger Heide ist für Hauke-Hendrik Kutscher, der oft Verwandte in Schneverdingen besuchte, zudem eine Landschaft mit Kindheitserinnerungen. So war dann auch der private Umzug nach Suderburg keine Frage.

Im Museumsdorf hat er sich als erstes mit dem Kunsthandwerkermarkt beschäftigt, der stand gerade ins Haus, als er im November seinen Dienst begann. „Ich bin sehr gut aufgenommen worden“, erzählt er, besonders beeindruckt habe ihn das ehrenamtliche Engagement der vielen Helfer. Jetzt gehe es darum, die neue Saison vorzubereiten. Der Veranstaltungsplan steht weitgehend, ein Höhepunkt wird wieder das Schlepper-Veteranentreffen sein. Wichtig ist Hauke-Hendrik Kutscher die Ausweitung von Angeboten für Familien mit Kindern, aber auch für Senioren und Menschen mit Einschränkungen. „Da ist das Museum auf einem guten Weg“, fasst er zusammen. Auch der Zustand der Häuser müsse im Auge behalten werden, denn im Museumsdorf ist immer etwas instand zu halten oder zu restaurieren. Schließlich kann er sich gut vorstellen, ökologische Aspekte noch stärker als bisher zu thematisieren. Hier könnten die Museumsgärten gut eingebunden werden. Insgesamt geht es Hauke-Hendrik Kutscher darum, den Bildungsauftrag des Museums gut mit dessen Erholungs- und Freizeitwert zusammenzuführen. „Gelungene Museumsarbeit bedeutet für mich zum Beispiel, wenn Großeltern mit ihren Kindern und Enkeln kommen und dann vielleicht auch aus ihrem eigenen Leben erzählen“.

Montag, 5. Dezember 2016

Fürs Praktikum zurück nach Hause

Vivien Malec forschte im Museumsdorf 

Gestern hatte sie ihren letzten Tag im Museumsdorf Hösseringen. Vier Wochen lang hat Vivien Malec im Freilichtmuseum Praxisluft geschnuppert, bevor es nun wieder zurück nach Halle an die Uni geht. Kunstgeschichte und Orientarchäologie studiert die junge Frau seit 2013 in der altehrwürdigen Saalestadt, da wirkt das Praktikum in Hösseringen doch eher bodenständig. 

Trotzdem lag Hösseringen nahe, denn für Vivien ist ihr Praktikum eine Art Heimspiel – sie stammt aus Uelzen. „Die vier Wochen wohne ich wieder zuhause“, lacht sie, „das ist auch schön. Außerdem wollte ich gerne etwas im ländlichen Raum machen, wo man rausgehen kann und der Betrieb nicht ganz so groß ist.“
Für das Museum kam die unerwartete Unterstützung gerade recht, denn Vivien half bei weiteren Recherchen für eine Ausstellung über Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter während des Ersten und Zweiten Weltkrieges, die schon lange in Planung ist. Besonders mit einer Person hat sich Vivien beschäftigt: Antoni Miklas aus dem Kreis Torun in Polen. Vivien hat nämlich selbst Verwandte dort. „Mein Opa ist in der Region geboren, aus der der Herr Miklos kommt“, erzählt sie, die Großeltern leben heute noch dort. 

Sie haben sich für Vivien bei den Behörden vor Ort eingesetzt und in den Ämtern nachgefragt und so konnte die junge Praktikantin tatsächlich viele Details aus dem Lebenslauf des ehemaligen Zwangsarbeiters zusammentragen. „Wie er nach Deutschland gekommen ist, weiß man nicht mehr“, erzählt sie. Wie viele Leidensgenossen arbeitete Antoni Miklas in einem landwirtschaftlichen Betrieb, nach Sülze bei Celle hatte es ihn verschlagen. 

Nach dem Krieg ging er zurück in seine Heimat und gründete eine Familie. Er starb im Jahr 1973.
Neben den Nachfragen in der Heimat von Anton Miklas wertete Vivien Unterlagen aus dem Museumsarchiv aus. Dokumente des Hofes in Sülze wie etwa Quittungen und Bilder gehören dazu. „Wir sind seit mehreren Jahren mit den Recherchen zu diesem Thema beschäftigt“, freut sich Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm über die Informationen. 

Viele Schicksale von ehemaligen Zwangsarbeitern seien nur in wenigen Details bekannt und die Recherche sehr aufwendig. Für das Museumsdorf ist das Thema besonders interessant, da auch im Nebengebäude des Brümmerhofes im Ersten Weltkrieg ein Kriegsgefangener aus Belgien untergebracht gewesen ist. Er hat eine Nachricht an einem Fensterladen hinterlassen. Hier soll später eine Dauerausstellung zum Thema Zwangsarbeit entstehen.
Für Vivien Malec war ihre Praktikumszeit auch eine gewisse Erdung. „Ich habe mich hier mit einem Thema beschäftigt, das dann weiterbearbeitet wird und das in eine Ausstellung münden soll. Das finde ich gut und es ist ein willkommener Unterschied zur Theorie“, sagt sie. Nach dem Praktikum gehe es mit der Bachelorarbeit in Halle weiter. Nebenbei absolviert die junge Frau noch ein Fernstudium der Tierheilkunde in Soltau. „Mir ist aufgefallen, dass ich Kunstgeschichte und Wissenschaft gerne als Hobby betreibe“, erzählt sie, „Aber im Berufsleben möchte ich jeden Tag mit Tieren zu tun haben.“ Auf die künftige Ausstellung ist sie natürlich schon neugierig – ein guter Anlass, wieder einmal ins Museumsdorf zurück zu kommen.

Montag, 14. November 2016

Kunst und Handwerk aus der Region

3200 Besucher beim Kunsthandwerkermarkt im Museumsdorf
Auch das Wetter spielte mit: Noch nicht oft trugen die Häuser des Museumsdorfes Hösseringen schon Mitte November, wenn der große Kunsthandwerkermarkt startet, weiße Schneemützen. Am Sonntag aber sorgten Minusgrade bei Sonnenschein, knirschende Eiskristalle unter den Schuhen und natürlich die vielen Aussteller im Museumsdorf für echte Weihnachtsstimmung. Neben dem vielfältigen
Angebot, das der Kreative Kreis Winsen in bewährter Weise bereits zum 7. Mal zusammen getragen hat, war diesmal auch Drechsler Johann Sperl aus Oertzen vor Ort, der im Brümmerhof mit den kleinen Gästen Geschenke drechselte - ein Hobby, das er seit seinem Ruhestand genießt.
Auch Sabrina Buhr wartet mit ihren Kindern Lara und Max auf den Drechsler. Als erste darf Lara das alte Handwerk ausprobieren. Konzentriert schaut sie zu, wie der scharfe Meißel Schicht um
Schicht von ihrem Holzstück abschält. Der fertige Kreisel wird natürlich gleich ausprobiert. „Den behalte ich selbst“, meint Lara stolz.
Bruder Max wartet derweil auf seinen Einsatz und träumt nebenbei davon, einen Schneemann zu bauen. Das dürfte an diesem Tag noch möglich gewesen sein, ob im Museum oder zuhause in Hankensbüttel. Familie Buhr ist an diesem Tag zum ersten Mal im Museumsdorf und die Drei haben sich vorgenommen, in der nächsten Saison noch einmal herzukommen.
„Vielleicht wird es dann ja auch ein Kindergeburtstag“, nehmen sie sich vor und stecken mit ihren Plänen Drechsler Johann gleich an. „Ich komme im Sommer wieder und schaue mir die Häuser dann in Ruhe an“, hat er sich vorgenommen.
Hanna Dörkop aus Wittingen war das letzte Mal vor 17 Jahren im Museumsdorf und hat nun die Gelegenheit beim Schopf gepackt, das Kennenlernen des Museums mit ersten Weihnachtseinkäufen zu verbinden. „Es gefällt uns gut hier“, erzählt sie, „Und wenn wir was Schönes finden, nehmen wir es mit.“ Zum Aussuchen war ja auch jede Menge Gelegenheit, ob im Eingangsgebäude, auf dem Marktplatz, unterm Göpeldach oder in den Scheunen und Häusern. Selbst die alte Schmiede leuchtete in festlichem Lichterglanz. Es gab selbstbemaltes Porzellan, Textilien, Kunst- und Gebrauchsstücke aus Papier und Filz, aus Holz und Perlen, aus Moos, Metall und Keramik - einfach eine Riesenbandbreite an Selbstgefertigtem aus der Region.
Marco Werner auf Faßberg punktete mit Perlenschmuck in vielen Variationen. „Wir sind das ganze Jahr über nebenbei am Basteln, gerne abends beim Fernsehen“, erzählt er, „das ist unser Hobby.“ Am Jahresende geht es dann hinaus auf die Märkte der Region - und wenn es klappt, wird mit dem Bastelvergnügen der Winterurlaub finanziert“. Marco Werner ist zum zweiten Mal im Museumsdorf dabei und schätzt besonders das schöne Ambiente. Über Besuchermangel kann er sich an diesem vor-adventlichen Sonntag nicht beklagen, mit etwa 3200 Gästen flanierten zwischen den Marktständen und Buden gut 600 Besucher mehr als im Vorjahr hindurch und stimmten sich auf die Vorweihnachtszeit ein.