Freitag, 15. September 2017

Von Geschichten und Geheimnissen

Jahrmarkttheater gastierte im Museumsdorf

Wenn einer ins Theater geht, dann meist mit der Erwartung, dass vorne etwas passiert. Man sitzt gemütlich in den Rängen und schaut sich das an. Nicht so beim Jahrmarkttheater. Das bewegt seine Zuschauer nicht nur geistig, sondern auch ganz real. Mit den Szenen wechseln oft auch die Standorte und der Zuschauer folgt dem Geschehen zu Fuß. Auf diese Weise begann auch der Theaterabend im Museumsdorf
Hösseringen: Oma Sanne begrüßte ihre Gäste vor dem Eingangsgebäude und dann ging es durch das abendliche Museumsdorf in Richtung Kötnerhaus. Unterwegs war Gelegenheit, die eine oder andere Geschichte über die Häuser am Wegesrand zu hören. Und so manches Geheimnis zu erfahren. Denn dies war das Thema des Abends: Geheimnisse. Die umgaben auch die vielen Gegenstände, die die Gäste, das Team vom Museumsdorf und die Theaterleute für den Abend mitgebracht hatten. Ob geschnitztes
Besteck, Kästchen mit Milchzähnen, weiße Schuhe oder der Klöppel einer Wasserspülung – all diese Gegenstände hielten her zum Geschichten erzählen. Und das taten nicht etwa die Theaterleute, sondern die Gäste, die unter der Leitung der Drehbuchautorin Corinna Gerhards selbst zu den Akteuren des Abends wurden. „Schreiben hat immer etwas mit Geheimnissen zu tun. Der erste Punkt beim Schreiben ist das Sehen. Aber wir nehmen uns ja gar nicht mehr die Zeit, die Geschichten hinter
den Dingen zu sehen“, so die Autorin. Als erstes ging es darum, den „inneren Zensor auszuschalten“ und mittels „Flash-writing“ zu beschreiben, was "mir heute morgen passiert ist“. Und das war allerhand. Vom Hochzeitsschuh, der in den Bach geworfen wurde über die Stricksocken und den Hund Lukas bis zur Geschichte der Klospülung und das Einflugloch eines Lüneburger Stülpers ließen die Gäste ihren Gedanken freien Lauf. Genauso im zweiten Teil des Abends, der der Gruppenarbeit vorbehalten war. Nach mehrfachem Tauschhandel ging es daran, die Gegenstände in den Geschichten zusammenzuführen. Oma Sanne tauschte sich derweil mit Museumsleiter Ulrich Brohm aus. Zum Beispiel über das Thema Blau, das nicht nur Oma Sannes Lieblingsfarbe ist, sondern früher einmal als Haus- und Wandanstrich sehr beliebt war. Und darüber, dass nicht jedes Geheimnis gelüftet werden kann und sollte. Aus einem aber machten die beiden kein Geheimnis: Dies war nicht der letzte Theaterabend im Museumsdorf Hösseringen.

Dienstag, 12. September 2017

Von Pferdeköpfen, Inschriften und Zeichen


Eine Themenführung über „Inschriften und Zeichen an historischen Gebäuden“ findet am Freitag, dem 22. September von 15 bis 17 Uhr im Museumsdorf Hösseringen statt. Der stellvertretende Museumsleiter Dr. Hauke Kutscher wird über die Bedeutung der gekreuzten Pferdeköpfe an den Hausgiebeln, über Bibelsprüche an Häusern, wie zum Beispiel am Brümmerhof, sowie über Spuren von Volksglauben an Häusern wie etwa Bauopfer oder Masken berichten.

Giebelzierden in Form von gekreuzten Pferdeköpfen begegnen dem Besucher der Lüneburger Heide nicht nur an historischen Gebäuden, denn das Motiv wird auch heute gern als identitätsstiftend und in vielfältiger Weise verwendet. Über Ursprung und Bedeutung der Giebelzierden sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Untersuchungen geführt und Thesen aufgestellt worden. 



Gesicherte Erkenntnisse dazu gibt es aber nur wenige. Zu den ältesten Nachweisen für pferdekopfähnliche Giebelzierden an Gebäuden gehören Zeltgestänge der Wikinger, die als Grabbeigabe in Norwegen gefunden wurden, datiert in die Zeit um 830 nach Chr.. Auch auf den berühmten Teppich von Bayeux aus dem 11. Jahrhundert sind Giebelzierden mit Tierköpfen in stilisierter Form zu erkennen. Die ältesten Zeugnisse aus dem heutigen Norddeutschland stammen aus dem 15. Jahrhundert. Im Jahr 1559 entstand das Epithaph der Familie Ellerndorf in der St. Marien-Kirche in Uelzen. Hier ist im Hintergrund ein Bauernhaus mit gekreuzten Pferdeköpfen zu sehen.
Bibelsprüche an Häusern sind insbesondere in Gegenden mit Fachwerkbauten häufig. Auch das Haupthaus des Brümmerhofes, das aus dem heutigen Heidekreis stammt, ist reich daran. Über der "Missendör" steht beispielsweise der Text Hiob 19,25 und 26: "ICH WEIS DAS MEIN ERLÖSER LEBET UNDER WIRD MICH HERNACH AUS DER ERDEN AVF ERWECKEN VND WERDE DAR NACH MIT DIESER MEIER HAVT UMGEBEN WERDEN VUND WERD IN MEINEM FLEISCH GOT SEHEN". Im Brauchtum der Höfe in unserer Region wurden die Toten durch die Missendör nach draußen getragen. In Richtung der sonnenlosen Nordseite verließ der Verstorbene das Haus zum letzten Mal, jedoch in der Gewissheit, dass sein Erlöser lebt, dass er Gott sehen wird. So ist der Text Hiob erklärlich.
Auch Spuren von Volksglauben finden sich am Brümmerhof-Wohnhaus. Ein schönes Beispiel ist die Neidmaske oberhalb des Wirtschaftstores, die der Abwehr böser Einflüsse diente, welche dem Haus und seinen Bewohnern durch den Neid der Vorübergehenden drohen konnten. Es handelt sich dabei nicht um eine „Thors-Maske“, wie unter dem Einfluss der germanisierender Vorstellungen behauptet wurde.

Montag, 4. September 2017

Nicht nur zum Grillen gut

Der Kohlemeiler wurde geöffnet
Dicke Rauchwolken wabern über die blühende Heidefläche, ziehen über den kleinen Kartoffelacker und ihre Reste verteilen sich schließlich zwischen den Häusern und Straßen des Museumsdorfes. Grund zur Sorge gab es am Sonntag in Hösseringen aber trotzdem nicht und die Feuerwehr musste auch nicht ausrücken. Denn die Rauchwolke entsprang dem großen Kohlemeiler, der gut bewacht und nach einer Woche Brand nun ausgenommen wurde. 
Die reiche Ernte der Holzkohle feierte das Museumsteam mit einem Köhlerfest. Möglich wurde dies dank des Engagements von Archäologe Arne Paysen, der bereits zum siebenten Mal eine Woche lang im Museumsdorf zu Gast war, um den Bau und die Funktionsweise eines Meilers zu dokumentieren und den Museumsgästen zu erläutern. „Inzwischen weiß ich, wie ein Meiler hier an diesem Standort funktioniert“, fasst er zusammen. In den sieben Durchläufen hat er gelernt, dass das Holz zur Seite des heidebewachsenen Trockentales schneller verkohlt als auf der gegenüberliegenden Seite. „Dort muss mehr geschaufelt werden und dort bricht auch der Meiler schneller ein, vermutlich, weil mehr Luftbewegung herrscht.“ Wurden in den vergangenen Jahren Nadelhölzer verkohlt, waren es diesmal Birken vom Museumsgelände, die zu nahe an den Häusern standen und ohnehin gefällt werden mussten. „Hier im Museumsdorf kann dauerhaft und nachhaltig mit dem eigenen Holz geköhlert werden“, sagt Arne Paysen, der immer wieder nach der Schippe greift, um Korb für Korb Kohle aus der rauchenden Glut zu holen.
Verköhlert wird im Museumsdorf grundsätzlich das eigene Holz. Das Interesse an dieser alten Arbeitsweise ist groß, und so kamen an diesem Sonntag nicht nur viele Gäste aus ganz Deutschland, sondern auch ein Fernsehteam, um die Arbeiten zu beobachten. 

Auch Familie Wedegärtner aus Faßberg ist angereist. „Ich habe 35 Jahre in Süddeutschland gelebt, stamme aber aus der Heide und nun sind wir wieder zurück gekommen“, erzählt Markus Wedegärtner. Besuche im Museumsdorf gehören zur Heimkehr selbstverständlich dazu. „Wir freuen uns, dass wir hier die Möglichkeit haben, die Welt von früher ein wenig kennenzulernen“, sagt Tochter Raphaela, „Weil so viel verloren geht. Mit den Berufen sterben ja nicht nur Fertigkeiten und Kenntnisse, sondern ganze Lebenswelten. Wir überlegen, wie wir mit neuen Technologien voran kommen und vergessen die alten Techniken, die doch viele Antworten parat halten.“ Es sei auch nicht dasselbe, sich das im Fernsehen oder im Internet anzuschauen, ist sich Irina Höss sicher: „Man muss das schon selbst gesehen, gefühlt und gerochen haben, um sich wirklich ein Bild machen zu können“, sagt sie. 

Inken Adrian und Wiebke Meiwald sind aus der Oldenburger Gegend angereist. „Wir finden es wichtig, die Herstellungsweise von Dingen zu erleben, weil man sich darum meist gar keine Gedanken macht“, sagen sie. „Viele Alltagsgegenstände sind so selbstverständlich für uns und ganz einfach zu haben. Aber das war nicht immer so.“ Hier im Museum erkunden die Studentinnen, wie die Menschen früher ihr Leben organisiert haben – und erfahren zudem, dass Holzkohle nicht nur zum Grillen gut ist. „Holzkohle hat sehr viele Poren, mit denen sie viele Stoffe binden kann“, erzählt Arne Paysen. Deshalb wurde sie früher auch bei Vergiftungen oder Darmproblemen angewendet. Von dieser Wirkung der Holzkohle musste zum Glück kein Museumsgast Gebrauch machen.

Dienstag, 29. August 2017

Köhlerei in Norddeutschland

Köhlerhütte um 1935
Themenführung mit Dr. Arne Paysen 

Eine Themenführung über die Geschichte der Köhlerei in der Lüneburger Heide findet am Freitag, dem 1. September von 15 bis 17 Uhr im Museumsdorf Hösseringen statt. Der Archäologe Dr. Arne Paysen wird über diesen wichtigen und dennoch wenig beachteten Handwerkszweig der frühen Neuzeit berichten. Köhler waren Außenseiter und galten als schmutzig, ungebildet und kauzig, weshalb man ihre Gegenwart mied. Heute geben alte Köhlerstellen einen faszinierenden Einblick in die Forst- und Waldgeschichte, lassen so manche Schriftquelle in anderem Licht erscheinen und sind weitaus spannender, als man vermuten würde.

Aufschichten eines Meilers im Klosterforst Niebeck
Köhlerei gab es nicht nur im waldreichen Harz, sondern sie war auch in der Lüneburger Heide weit verbreitet. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts gab es beispielsweise im Klosterforst Niebeck eine Köhlerhütte, ebenso bei Hösseringen und Bad Bevensen. Der Kohlebedarf der Schmieden sowie von Handwerk und Industrie war damals so groß, dass Holzkohle in großen Mengen produziert werden musste. Nicht weit von Ellerndorf wurde noch während des Zweiten Weltkrieges in sechs Erdmeilern Holzkohle für Kraftfahrzeuge der Firma Rheinmetall hergestellt – aus Mangel an Kraftstoff. Inzwischen ist diese alte Arbeitsweise jedoch in Vergessenheit geraten.

Dienstag, 22. August 2017

Das Jahrmarkttheater kommt!

„Dorfgedanken“ im Museumsdorf

Die Vergangenheit birgt viele Geheimnisse. Es ist schwer zu sagen, ob die Historiker oder die Schriftsteller der Wahrheit näher kommen: Auch Schriftsteller müssen gut recherchieren und Historiker kreativ sein. Wie das genau funktioniert, lässt sich am 9.September ab 19:30 Uhr im Museumsdorf Hösseringen herausfinden, wenn dort die nächste Veranstaltung der Reihe „Dorfgedanken“ vom Jahrmarkttheater stattfindet.
In der Reihe Dorfgedanken lädt die Kunstfigur Oma Sanne zum spielerischen Austausch über verschiedene Themen ein. Dieses Mal geht es um Geheimnisse - und was könnte hierfür ein passenderer Ort sein, als das Museumsdorf Hösseringen mit seinen originalen Gebäuden der Heideregion aus der Zeit um 1600 bis 1925? Wie wurde damals das Besteck gehalten? Wessen Hände haben zuletzt die Mauer gestreichelt? Und wozu wurde dieses ominöse Füllhorn verwendet? Diesen Fragen gehen die Gäste zusammen mit Dr. Ulrich Brohm, Leiter des Museums, einer Schriftstellerin und natürlich Oma Sanne auf den Grund.
Entstanden ist „Dorfgedanken“ aus dem Bedürfnis nach Begegnung und dem Wunsch, verschiedene aktuelle oder allgemeine Themen (wie zum Beispiel Gastfreundschaft, Erinnerung, Demokratie) im Gespräch und aus verschiedenen Perspektiven aktiv und unterhaltsam zu entdecken. Bei jeder Veranstaltung bringen sich zwei ausgewählte Experten mit individuellem Bezug zum jeweiligen Thema ein. Immer dabei ist die von Thomas Matschoß dargestellte Oma Sanne, die aus mehreren Stücken vom Jahrmarkttheater bekannt ist. Die künstlerische Leitung hat Andrea Hingst, unterstützt von Anja Imig, die auch für die Ausstattung verantwortlich zeichnet. 

Nach einem Ausflug in den Wiebeck zum Thema Wald, der mit dem Förster und Mitarbeiter im Ministerium für Landwirtschaft, Rainer Boldhaus, entstand, verlässt das Jahrmarkttheater für diesen Abend zum zweiten Mal den heimischen Theatersaal in Bostelwiebeck, um in Kooperation mit dem Museumsdorf Hösseringen die Geheimnisse der Vergangenheit zu erforschen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung beim Jahrmarkttheater (dorfgedanken@jahrmarkttheater.de) ist wegen einer begrenzten Platzzahl erforderlich.
"Dorfgedanken - Oma Sanne lädt ein“ entsteht in Kooperation mit der Stiftung Leben und Umwelt und wird gefördert vom Lüneburgischer Landschaftsverband und der LAG Soziokultur.

Dienstag, 15. August 2017

Einmal richtig Kohle machen

Öffnen des Kohlemeilers und Köhlerfest
Am Sonntag, dem 3. September findet von 10.30 Uhr bis 17.30 Uhr im Museumsdorf Hösseringen das Köhlerfest statt. An diesem Tag wird der zur Herstellung von Holzkohle aufgesetzte und seit Tagen betriebene Meiler geöffnet und die Holzkohle entnommen. Besucher können dabei zusehen und sich über das alte Handwerk der Köhlerei informieren. Außerdem gibt es Bier und Gegrilltes.
Ein Kohlemeiler steht je nach Witterung und Größe von einer bis zu sechs Wochen lang in Glut. In dieser Zeit heißt es Tag und Nacht achtzugeben, dass das Holz nicht verbrennt und dass kein Feuer ausbricht. Das Köhlerfest ist der Abschluss der Aktion „Köhlerei im Museumsdorf“, die mit dem Aufsetzen des Meilers eine Woche zuvor begonnen hat. Der Termin dieser Veranstaltung kann witterungsbedingt kurzfristig verschoben werden.

Kleine Kapitäne ahoi!

Im Rahmen einer Ferien-Mitmachaktion lädt das Museumsdorf Hösseringen am Donnerstag, dem 31. August von 13 bis 15 Uhr zum Basteln von Borkenschiffchen ein. Kinder können aus Borke und Ästen ihr ganz besonderes Traumboot basteln und auf dem Dorfteich gleich ausprobieren. Ein Durchgang dauert etwa 30 Minuten, Kinder können jederzeit hinzukommen. Die Kosten betragen 2 Euro inklusive Eintritt und Material.