Montag, 23. April 2018

Hurra, unsere Bentheimer sind da!

Sie sind noch ein wenig schüchtern und wagen sich nicht aus dem sicheren Stall ins Freigelände hinaus. Aber bald wird unser kleines Bentheimer Pärchen das Stroh im Stall gerne mit der Sonne draußen vertauschen und den Sand im Gehege durchpflügen. Wie immer haben wir von unseren Züchtern im Landkreis Lüchow-Dannenberg ein munteres Geschwisterpaar aus einem Wurf bekommen. 

Bunte Bentheimer Schweine werden heute nur noch von wenigen Landwirten gezüchtet. In den 1960er Jahren wären sie fast völlig verschwunden, denn damals wurde die alte Landschweinrasse von  fleischreicheren Hybridschweinen verdrängt. Nur der Landwirt Gerhard Schulte-Bernd züchtete die Bunten Bentheimer weiter und sorgte 1988 für die erneute Aufnahme in ein Herdbuch. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass die „Swatbunten“ nicht ausgestorben sind. Für die Erhaltung der alten Rasse setzt sich seit dem Jahr 2003 auch der Verein zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines ein und trägt damit zum Erhalt der genetischen Vielfalt bei. Wegen ihrer besonderen Physiologie - Bunte Bentheimer sind mittelgroß und haben einen langgestreckten Körperbau - eignen sich diese Schweine nicht für die Massentierhaltung. Bentheimer Schweine haben gute Muttereigenschaften und sind stressstabil. Davon können sich Jahr für Jahr auch die vielen Besucher des Museumsdorfes überzeugen. Ob nun Kinder begeistert rufen, ein Trecker durch das Museumsgelände tuckert oder beim „Tag der Tiere“ jede Menge Geflügel für Unterhaltung sorgt - unsere gemütlichen Bentheimer lassen sich nicht aus der Ruhe bringen.
Der „Tag der Tiere“ findet übrigens wieder am 27. Mai statt. Wer es bis dahin nicht geschafft hat, unser Bentheimer Pärchen zu besuchen, sollte die Gelegenheit dann auf jeden Fall wahrnehmen. Also, bis bald im Museumsdorf!

Mittwoch, 18. April 2018

„Die fraßen zu viel und brachten keine Eier“

Alexander Honstein von der Uni Osnabrück forscht im Museumsdorf Hösseringen zum Thema Hühnerhaltung

„Mich hat vor allem die landwirtschaftliche Komponente an der Museumsarbeit interessiert“, erzählt Alexander Honstein. Der Student der Geschichte und Politologie war mit Kommilitonen der Uni Osnabrück bereits im vorigen Jahr in Hösseringen zu Gast. Im Rahmen einer dreitägigen Exkursion lernte er das Museumsdorf kennen. „Damals habe ich mit Dr. Brohm über eine geplante Hühnervoliere am Haus aus Eschede gesprochen und er hat mir angeboten, die Planung zu übernehmen.“ So kam es, dass sich der junge Mann aus dem Emsland für sein zweieinhalb-monatiges Pflichtpraktikum für Hösseringen entschied.

Die Pläne für die Hühnervoliere stehen inzwischen, sie soll demnächst rechterhand neben Haus Eschede auf der Rasenfläche gebaut werden. Dort hatten auch die ehemaligen Bewohner des Hauses ihren Hühnerhof. „Der Platz wurde von der Familie Hühnerrasen genannt“, hat Alexander Honstein herausgefunden. Seine Recherchen stützte er insbesondere auf Interviews mit den letzten Eigentümern des Hauses, die dem Museum vorliegen. „Hühner wurden auf vielen Höfen über
Generationen vor allem zur Selbstversorgung gehalten.“ So auch bei Familie von der Ohe, der das Anwesen vor seiner Übernahme ins Museumsdorf gehörte. Zunächst wurden Rhodeländer gehalten, aber die Familie musste feststellen, dass diese „zu viel fraßen zu wenig Eier brachten“. Also schaffte man Italiener und Weiße Leghorn an. Mit deren Eierertrag waren die von der Ohes offenbar zufrieden und auch das Museumsteam hat sich für die künftige Hühnerhaltung am Haus Eschede für diese Rassen entschieden. Die Haltung wird sich allerdings von der historischen unterscheiden und nach modernen Standards erfolgen. Eine Voliere wird die Tiere vor Raubvögeln schützen und auch ein Sandbad ist geplant. Für schattige Plätzchen werden Himbeersträucher und Holunder angepflanzt, so wie es auch bei Familie von der Ohe gewesen ist.
Im Rahmen seiner Recherchen ist der Student auch auf einige Geschichten gestoßen: „Einen Hahn hatte die Familie extra für die Konfirmation eines Kindes aufgespart. Der ist aber 1944, vermutlich wegen der schlechten Versorgungslage, abhanden gekommen. Das hat die Großmutter so aufgeregt, dass sie es bis zum Lebensende nicht vergessen konnte“, erzählt er. Spannend fand er auch, wie ein vergleichbar „kleines Thema“ Bezüge zu den großen geschichtlichen Ereignisse herstellen lässt. Im Museumsarchiv hat er beispielsweise herausgefunden, dass während des Ersten Weltkrieges Subventionen der Landwirtschaftskammer Hannover an Mustergeflügelhöfe gestrichen wurden, wenn der Bauer im Krieg gefallen war. In der Zeit der Hyperinflation wurden die Subventionen gänzlich eingestellt, da die Behörde nicht mehr damit nachkam, die neuen Summen zu berechnen.
Alexander Honstein wird sich im Museumsdorf jedoch nicht nur mit Hühnern beschäftigen. Weitere Forschungen für die geplanten Ausstellungen zu den Themen Kriegsgefangene in der Lüneburger Heide und 200 Jahre Rieselwiesen gehören ebenfalls zu seinen Aufgaben, bevor er sich Mitte Mai wieder nach Osnabrück verabschieden wird, um seine Bachelorarbeit in Angriff zu nehmen.

Samstag, 14. April 2018

Kein schwarzes Loch in Sachen Trachten

 Niedersächsischer Trachtenkundeausschuss besuchte Museumsdorf Hösseringen

Heute besuchte der Vorstand des niedersächsischen Trachtenkundeausschusses das Museumsdorf Hösseringen. Im Rahmen des eintägigen Treffens berieten der Leiter des Ausschusses, Michael Kablitz aus Lüchow-Dannenberg sowie die Vorstandsmitglieder Gunnar Heine aus Lüdersfeld bei Schaumburg, Christine Reinecke aus Embsen, Ann Kristin Riesner aus Hamburg sowie Jürgen Dreekmann aus den Vierlanden über die Aufgaben und innere Organisation des Ausschusses. Der Trachtenkundeausschuss betreut 138 Mitgliedsgruppen in Niedersachsen und hat in den vergangenen Jahren zudem die Unterstützung weiterer Gruppen, etwa in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Hamburg und Schleswig-Holstein, übernommen. „Wir haben uns auch für Gruppen aus anderen Bundesländern geöffnet“, so Michael Kablitz. Ihn und seine Mitstreiter erreichen regelmäßig Anfragen zum Thema Trachtenrekonstruktion und Textilgeschichte aus verschiedenen Regionen. „Oft auch aus dem privaten Bereich, wenn etwa in einer Familie historische Kleidung gefunden worden ist“, erläutert der Fachmann. In solchen Fällen kann der Ausschuss, der über weitreichendes Quellmaterial verfügt, Hilfestellungen geben, auf Literatur verweisen oder an die zuständigen Museen verweisen.
Auch das Museumsdorf Hösseringen verfügt über einen umfangreichen Fundus an historischen Textilien. Dennoch: „Hier in der Heide befinden wir uns in Sachen Trachten quasi in einem schwarzen Loch“, formuliert Michael Kablitz die Forschungs- und Fundlage in der Region. Nur wenige Trachten sind hier überliefert, anders als etwa im Wendland. Inzwischen setzt die Forschung über eine reine Trachtenkunde hinaus auf historische Kleidungsforschung, die Erkenntnisse zur materiellen und sozialen Kultur der ansässischen bäuerlichen Bevölkerung erbringt, wie die Übernahme städtischer Modeerscheinungen oder Kleiderordnungen, die bereits aus dem 16. Jahrhundert bekant sind. „Trachtenelemente“ sind in der Lüneburger Heide zumeist in Form von Hauben und Kopfbedeckungen überliefert. Davon konnten sich die Ausschussmitglieder bereits im Rahmen eines Seminars vor drei Jahren im Schloss Holdenstedt überzeugen, wo sie sie umfangreiche Haubensammlung in Augenschein nahmen. Der Kontakt nach Holdenstedt und Hösseringen besteht mittlerweile seit vielen Jahren und soll auch in Zukunft gepflegt werden.
Ein weiterer Diskussionspunkt der Ausschussmitglieder war die Abgrenzung ihrer Arbeit von nationalistisch oder rechts gesinnten Gruppierungen, die die Trachtenkunde für ihre ideologische Ausrichtung benutzen. „Davon distanzieren wir uns ganz klar“, so Kablitz. „Wir arbeiten mit vielen Menschen, auch im Ausland, zusammen und setzen auf inhaltliche Vielfalt und Offenheit.“

Freitag, 13. April 2018


Morgen wird bei uns gesponnen! Webmeisterin Uschi Schwierske zeigt ihn ihrem Kurs, wie aus Wolle Fäden gesponnen werden.
Flachs und Hanf sind die ältesten vom Menschen genutzten Faserpflanzen. Hanf gelangte vor etwa 4800 Jahren von China in unsere Region, er diente zur Faser- und Ölgewinnung und aus den Samen gewann man das Rauschmittel Haschisch. Hanf fand allerdings eine geringere Verbreitung als der Flachs, da Hanfleinen gröber und härter ist als das aus Flachs. Der bereits aus prähistorischer Zeit bekannte Flachs bot ebenfalls eine Vielzahl an Verwendungsmöglichkeiten: Aus den Stängeln gewann man die Fasern für die Texttilherstellung und die Leinsamen dienten als Heilmittel und lieferten Öl. Im Uelzener Becken war der Flachs- und Hanfanbau von großer Bedeutung, besonders geeignet dafür waren die Sandböden östlich der Ilmenau und der Nordwesten des Kreises, die sogenannte „Ebstorfer Klei“.
Erst nach vielen Arbeitsgängen sind die Fasern aus Baumwolle, Flachs, Wolle oder Seide für das Verspinnen fertig. Beim Spinnen werden sie so miteinander verdreht, dass ein Faden entsteht. Bis ins 16. Jahrhundert verwandte man dazu allgemein die Handspindel mit einem Spinnwirtel als Schwunggewicht. Der Vorteil des Spinnrades liegt darin, dass das Verdrehen der Fasern und das Aufrollen des Fadens in einem Arbeitsgang vereinigt sind. So konnte die Spinnleistung in etwa verzehnfacht werden.

Donnerstag, 12. April 2018

Wie ein „Lüneburger Stülper“ entsteht

Am 29. April können Besucher des Museumsdorfes Hösseringen erleben, wie ein echter „Lüneburger Stülper“ entsteht. Im Kurs lernen Teilnehmer, wie aus Langstroh ein Bienenkorb nach alter Tradition gearbeitet wird.
Hier eine kleine Vorschau: 

Donnerstag, 22. März 2018

Kunst oder Kitsch?

Am Sonntag wird wieder geschätzt! 
Am Sonntag, dem 25. März können Besucher des Museumsdorfes Hösseringen von 10.30 bis 14 Uhr (letzte Objektannahme) ihre privaten Kunstwerke schätzen lassen. Ganz nach dem Motto „Ein Schatz ist´s für den einen – der andere sieht darin keinen“ begutachtet der Kunstsachverständige Klaus-Dieter Müller Kunstwerke sowie Gegenstände aus den Bereichen Alltag, Kultur und Natur und gibt eine Einschätzung – und wenn möglich – eine finanzielle Bewertung dazu ab. Ob Bilder, Porzellan und Keramik, Plastiken oder auch das alte Schiffsmodell – mitgebracht werden kann alles, was antik ist, außer Teppiche.
Bis zu drei Gegenstände können begutachtet werden, zu zahlen ist der reguläre Museumseintritt, die Schätzung ist kostenlos.

Montag, 12. März 2018

Am Donnerstag geht es wieder los!

Saisonbeginn mit Aktionen
Am Donnerstag, dem 15. März beginnt die diesjährige Saison im Museumsdorf Hösseringen. Bereits am ersten Sonntag in der Saison, dem 18. März von 10.30 bis 17 Uhr können sich die Besucher auf einen abwechslungsreichen Tag mit Handwerksvorführungen und Kinderaktionen freuen: In der Schmiede zeigt der Schmied sein traditionelles Handwerk, eine Weberin arbeitet am historischen Webstuhl und beantwortet Fragen zum Thema „Spinnen und Weben“. Das
Sägegatter aus der Zeit um 1920 und der Göpel sind in Betrieb. Die kleinen Besucher können das Arbeiten in der Schmiede und am Webstuhl ausprobieren oder Stockbrot am offenen Herdfeuer eines Bauernhauses backen.
Der nächste besondere Höhepunkt im Jahreslauf wird der beliebte Schätztag am Sonntag, 25. März sein. Der Kunstsachverständige Klaus-Dieter Müller begutachtet Kunstwerke sowie Gegenstände aus den Bereichen Alltag, Kultur und Natur und gibt eine Einschätzung und –
wenn möglich – eine finanzielle Bewertung ab. Bis zu drei Gegenstände können begutachtet werden.
Kinder dürfen sich in den Frühlingsferien darauf freuen, gemeinsam Nistkästen für Vögel zu bauen und vor Ostern werden bunte Blüten aus Pappe und Farbe gebastelt, die auf das bevorstehende Fest einstimmen. Neu im Programm ist der Workshop „Papier – Prägung und Relief“. Unter Anleitung der Buchgestalterin Marlis Maehrle werden Prägeformen mit eigenen Motiven angefertigt, die zur Prägung von Klappkarten und dekorativen Aufstellern oder als Relief zur Gestaltung von Buchdeckeln dienen. Im April geht es außerdem weiter mit einer Kräuterführung, den Workshops „Spinnen und Zwirnen“ und „Weben am Webstuhl und Webrahmen“ sowie dem Bienenkorbflechten mit dem Kreisimkerverein Uelzen.
Insgesamt beinhaltet das Veranstaltungspaket in diesem Jahr bislang 63 Termine, einige werden noch hinzu kommen. Mit dem Handwerkertag, KlangRauschTreffen, Erntedankfest, Apfelfest und Kunsthandwerkermarkt stehen fünf Großveranstaltungen im Kalender, hinzu kommen 22 Kurse und Workshops, Themenführungen sowie 14 Mitmachaktionen für Kinder. Das Museumsteam freut sich besonders, dass neben den Aktionstagen, Handwerksvorführungen und Themenführungen die Kurse für Erwachsene sowie die Angebote für Kinder und Familien ausgebaut werden konnten. Basteln, Spielen und Mitmachen heißt es an vielen Tagen und ganz besonders in den Ferienzeiten.
Die Häuser und Gärten, die Werkstätten und das großzügige Freigelände mit dem gern besuchten naturnahen Spielplatz, der im Mai um eine Hangrutsche erweitert wird, sowie die vielen unterschiedlichen Ausstellungen lohnen einen Besuch selbstverständlich auch an jedem anderen Tag. Es gibt also jede Menge Gründe, ins Museum zu kommen!