Mittwoch, 30. April 2014

Rätselhaftes Füllhorn

Manchmal wissen wir im Museum auch nicht so genau, wozu ein Sammlungsstück einmal gedient hat. Hier ein Beispiel dafür. Dieses kleine Füllhorn, wie wir es getauft haben, stammt aus einem ganzen Konvolut an alten Gegenständen, die wir aus einem Haushalt in der Region bekommen haben. Das "Horn" aus Messing ist fein gearbeitet und aufwendig verziert. Seitlich ist eine Art gebogener Hebel befestigt, der mittels eines Scharniers noch in sich bewegt werden kann.
Gegenüber hängt an einer zierlichen Kette ein Dorn, der in eine Öffnung am "Horn" passt. Innen ist kurz unter der Oberkante eine Art Sockel eingearbeitet. Wozu brauchte man solch ein Teil? Zum Trinken sicher nicht. Vielleicht ist es ein Leuchter?
Vielleicht gibt das eingravierte Datum 19. November 1864 einen Hinweis. Als offizielles Datum fällt uns dazu allerdings nichts Wichtiges ein. Vielleicht hat ja jemand eine Idee?

Montag, 28. April 2014

Lüneburger Stülper und Honigkappe

Gestern waren bei uns die Imker zu Gast. Der Kreisimkerverein unter der Leitung von Hermann Hilmer hatte zu einem Kurs "Bienenkorbflechten" mit Wulf-Dieter Lau vom Bieneninstitut Celle eingeladen. Für Günter Gütling aus Berlin war es eine besondere Freude, dabei sein zu dürfen, denn er hatte schon seit drei Jahren versucht, einen Platz zu ergattern. Nun endlich konnte er nach Herzenslust mit langen Strohstengeln hantieren und nach und nach daraus einen runden Lüneburger Stülper formen.
In seiner Kleingartenkolonie in Berlin Lichterfelde wird demnächst Imkerfest gefeiert und dann möchte Günter Gütling zeigen, wo die Wurzeln des Imkerhandwerks liegen. Begonnen hat seine Liebe zur Imkerei allerdings ganz woanders: in Schweden, wo Günter Gütling in den 80er Jahren arbeitete. In dem Pfarrhaus, wo er lebte, wohnte damals auch ein alter Imker aus Polen, der Bienen hielt. Das faszinierte ihn so, dass er einen Lehrgang belegte und selbst mit der Imkerei begann. "So ging das los", erinnert er sich.
Zurück in Berlin mochte er vom dem neuen Hobby nicht lassen, Möglichkeiten boten sich im Rahmen eines Schulprojektes und dann in der Öko-Kleingartenkolonie "Wildkraut".
Die weiteste Anreise hatte Lotte Jüling-Pohlit: Sie kommt aus Frankfurt / Main und hatte einen hessischen Bienenkorb mitgebracht, der sich vom Lüneburger Stülper in seiner Form und der Öffnung unterscheidet.
"Bei diesen Körben wurden die Honigwaben mit der Honigkappe entnommen und gleich mitverkauft", erzählt sie. Aus dem Grunde seien in ihrer Heimat zwar viele Körbe erhalten geblieben, jedoch so gut wie keine Kappen. Dem möchte sie nun abhelfen - indem sie selbst die Kappen herstellt. Lotte Jüling-Pohlit plant, die Hessischen Körbe anschließend im botanischen Garten in Frankfurt aufzustellen. Mit Bienen natürlich!

Donnerstag, 24. April 2014

Geheimnisvolle Schlüssel

Vielleicht werden sie demnächst ganz verschwinden, aber es ist irgendwie schade. Schlüssel und Schlösser meine ich. Denn so ein Schlüsselbund macht doch was her. Wer ein besonders dickes in der Tasche hat, kann sich als Herr über viele Immobilien fühlen. So wie unser Museumswart Jarek Kosiello. Er ist der heimliche König des Museumsdorfes, denn er weiß immer ganz genau, was in den Häusern gerade vor sich geht. Und natürlich muss er jederzeit überall hineinkönnen, um nach dem Rechten zu sehen. Die großen Schlüssel an seinem Bund sind aber auch schon fast selbst Museumsstücke.
In der Literatur und im Märchen haben Schlüssel stets etwas Geheimnisvolles an sich. Nicht selten geht es um ein verschlossenes Kästchen, ein Haus oder gar ein Schloss. Und wer den Schlüssel dazu findet, wird auch das Glück finden. So wie bei den Brüdern Grimm:


Der goldene Schlüssel
Zur Winterszeit, als einmal ein tiefer Schnee lag, mußte ein armer Junge hinausgehen und Holz auf einem Schlitten holen. Wie er es nun zusammengesucht und aufgeladen hatte, wollte er, weil er so erfroren war, noch nicht nach Haus gehen, sondern erst Feuer anmachen und sich ein bischen wärmen. Da scharrte er den Schnee weg, und wie er so den Erdboden aufräumte, fand er einen kleinen goldenen Schlüssel. Nun glaubte er wo der Schlüssel wäre, müßte auch das Schloß dazu sein, grub in der Erde und fand ein eisernes Kästchen. „Wenn der Schlüssel nur paßt!“ dachte er, „es sind gewiß kostbare Sachen in dem Kästchen.“ Er suchte, aber es war kein Schlüsselloch da, endlich entdeckte er eins, aber so klein daß man es kaum sehen konnte. Er probierte und der Schlüssel paßte glücklich. Da drehte er einmal herum, und nun müssen wir warten bis er vollends aufgeschlossen und den Deckel aufgemacht hat, dann werden wir erfahren was für wunderbare Sachen in dem Kästchen lagen.

Dienstag, 22. April 2014

Pflanzen verbinden Landschaft und Architektur

Er konnte es leider nicht mehr erleben: Vor vier Jahren geplant, wurde die Blumenanlage rings um das Eingangsgebäude dank einer großzügigen Spende von Tristan Bötnagel nun Realität. Tristan Bötnagel war jahrelang aktives Vorstandsmitglied im Museumsverein und hatte sich unter anderem intensiv um die Verbesserung der Attraktivität des Museumsdorfes gekümmert. Die Bepflanzung des Eingangsgebäudes war ihm ein besonderes Anliegen. Tristan Bötnagel verstarb am 18. März 2014. Mit ihm verliert das Museumsdorf einen engagierten Mitstreiter und einen guten Freund.

Die von ihm angeregte Bepflanzung soll eine Verbindung von Landschaft und Architektur herstellen und belebt das in kräftigen und freundlichen Farben gehaltene Eingangsgebäude zusätzlich. So ist unsere Zeitschleuse aus der Gegenwart in die Vergangenheit noch einladender für unsere Gäste geworden.
Die Bepflanzung der vier großen Beete erfolgte nach dem Austausch des Bodens durch die Firma Mathias Kuhlmann, die diese Arbeiten als Spende ausführte. Die Abfahrt des Sandes besorgte unser Museumswart Jarek Kosiello, der auch den von Firma Schlademann gelieferten Boden in die Beete einbrachte. Die Bepflanzung führte die Baumschule PUR NATUR nach einem von Ole Beeker entworfenem Plan aus. Wir danken allen Helfern!

Montag, 21. April 2014

Schmiede unter Dampf

Kürzlich haben wir uns als Filmemacher geübt. Unser Mitarbeiter Frank Platten hat in der Schmiedewerkstatt von 1845 aus Bodenteich das Schmiedefeuer angefacht und gezeigt, wie man früher Nägel aus Eisen schmiedete. Die Schmiedewerkstatt war bis 1976 in Betrieb und wurde zwei Jahre später ins Museum umgesetzt. Hier also eine Kostprobe.


Donnerstag, 17. April 2014

Hasenködel und andere Überrraschungen


In unserem Eingangsgebäude treffen sich Moderne und Historie. Es wurde vor einigen Jahren als "Zeitschleuse" für eine Reise aus der Gegenwart in die Vergangenheit konzipiert und bietet heute vielfältige Möglichkeiten des Lernens und der Bildung. Auch ein Museumsladen, der heutigen Ansprüchen gerecht wird, konnte hier etabliert werden. Hier gibt es neben Informationen über die Themen des Museums allerhand hübsche Dinge, die nützlich sind, die aus der Region stammen oder die einfach nur schön sind.
So wie die regionalen Töpferwaren, Honig von unseren Heideimkern, Kunsthandwerk und Kerzen. Hier gibt es Stoffe, die unsere Museums-Webmeisterin Uschi Schwierske selbst gewebt hat, und natürlich Souvenirs und kleine Geschenke für die ganze Familie. Auch ökologische Lebensmittel sind zu haben, Süßigkeiten und - passend zum Osterfest - Hasenködel. Wer es exotisch mag, kann ja auch mal einen Kuchen aus dem Glas probieren.


Und nicht vergessen: Der Osterhase kommt und versteckt am Ostersonntag (20. April) und am Ostermontag (21. April) im Kleinbauernhaus aus Bahnsen von 1648/1750 kleine Überraschungen.

Übrigens gibt es rings um das Museumsdorf viele weitere interessante Anlaufpunkte: Eine richtig große Heidschnuckenherde ist in der Ellerndorfer Heide zuhause und über Wald, Wasser und die Geschichte der Lüneburger Heide kann man sich auf mehreren ausgeschilderten Entdecker-Pfaden informieren.

Mittwoch, 16. April 2014

Musizieren, Tanzen, Amusement

Wer es noch nicht im Kalender stehen hat: Von Freitag, 27. bis Sonntag, 29. Juni, findet wieder unser Klangrauschtreffen statt. Schon zum 9. Mal kommen Musiker aus ganz Europa zu uns nach Hösseringen und schlagen im Museumsdorf ihr Lager auf. Ein Wochenende lang wird gemeinsam musiziert, es wird getanzt und musikalisch experimentiert. Abends laden offene Bühnen zum Mit-Tanzen oder Zuhören ein. Am Sonnabend, 28. Juni ab 19 Uhr findet das große KlangRausch-Konzert statt. Im historischen Bauernhaus von 1644 wird mit Harfe, Fidel, Dudelsack, Drehleier und vielen anderen Instrumenten aufgespielt, anschließend ist zum Tanzvergnügen bei Volksmusik eingeladen.


Am Sonntag, 29. Juni, findet ab 14 Uhr das "Sonntagnachmittagskonzert" im Brümmerhof statt.
Während des Treffens geben zahlreiche Workshops einen Überblick über die Geschichte der Musik und des Tanzens. In dem Quadrillenkurs „Tanzen im Quadrat“ zeigen Merit Zloch und Vivian Zeller einfache Figurentänze mit festgelegter Choreographie, die zu viert, zu sechst, zu acht getanzt werden, und sich seit rund 400 Jahren so großer Beliebtheit erfreuen, dass sie sich über fast ganz Europa ausgebreitet haben.
Es gibt außerdem einen Grundkurs "Überleben auf der Tanzfläche" sowie den Workshop „Schwedisch rundum: Polska & Co“ mit Winfried Lotz-Rambaldi. Matthias Branschke zeigt, wie man „aus der hohlen Hand“ pfeift, Horst Vogelsang gibt Tontechniktipps für Musiker und die offene Repertoirelernbühne lockt mit „Stücken, die gespielt gehören“. Dass Volkslieder weder altbacken noch “was für alte Tanten” sind, zeigen Britta und Daniel von der audioschmiede mit ihren eigenen Interpretationen. Gemeinsam mit ihren Zuhörern wollen sie deutschsprachige Volkslieder der letzten Jahrhunderte singen. Frisch drauf los heißt es dann auch, wenn zu den Volksliedern ganz im Sinne des ursprünglichen Volksliedgedankens frei improvisiert wird.


Weitere Informationen finden Sie unter www.klangrauschtreffen.de.
 
Hörprobe gefällig? Hier reinhören: "Zirpoleoness" von Zirp (Deutschland)

Montag, 14. April 2014

1000 Jahre alte Gene

Über der Erde sehen sie eher unspektakulär aus, unter der Erde aber verbirgt sich ein großes Geheimnis: Bis zu 1000 Jahre altes Genmaterial können sogenannte Stühbüsche enthalten. Das sind Bäume, meist Eichen, die zur Bau- und Brennholzgewinnung über einen langen Zeitraum immer wieder zurückgeschnitten wurden, ein Verfahren dass man mit "auf den Stock setzen" bezeichnet. Das Geäst wird ein Stück über der Bodenoberfläche entfernt und der stehen gebliebene Baumstumpf schlägt dann wieder aus.
Die Schößlinge aus den Wurzelstöcken bilden nach und nach Baumgruppen aus, die früher für die Lüneburger Heide typisch waren, den sogenannten "Stühbusch". Eine solche Gruppe ist aber eigentlich nur eine Pflanze, denn das immer größer werdende Wurzelwerk unter der Erde ist immer noch das des ersten Baumes. Auf diese Weise erhält sich die Erbanlage des Ursprungsbaumes über eine sehr langen Zeitraum - für uns heute ein wertvolles Zeugnis der Landschaftsgeschichte und der Entwicklung von Pflanzenpopulationen unserer Region. 
Im Jahr 2005 haben wir hier im Museumsdorf einen Stühbusch aus Eichen und Birken angelegt. Dieser soll als Anschauungsobjekt dauerhaft gepflegt werden, denn mit dem Ende der Heidebauernwirtschaft um 1900 gingen auch die Stühbüsche größtenteils verloren. Auf der Abbildung ist ein Stühbusch von Frido Witte (1881 - 1965) zu sehen. Der Soltauer Maler stellte die bizarren Baumgestalten häufig dar. 
Im Rahmen der Führung zum Thema Wald, die Tilmann Grottian als Vertretung für die erkrankte Dozentin übernommen hat, haben wir natürlich auch den Stühbusch bewundert.

Donnerstag, 10. April 2014

Osterbasteleien


Henri aus Bohlsen ist ein alter Hase. Jedenfalls in Sachen Museumsdorf. Schon zum 10. Mal ist er dabei, wenn es darum geht, bei den verschiedensten Aktionen mitzumachen. So wie in dieser Woche, als es galt, den schönsten Osterschmuck zu basteln. Unsere Mitarbeiterin Heike Dehrmann konnte gar nicht schnell genug in den großen Korb mit Naturmaterialien greifen und für Nachschub sorgen, so schnell hatten die Kinder Buchsbaum und Zwiebeln, Flachs und Efeu zu fantasievollen Kreationen zusammengestellt. "Mir macht es Spaß", fasst Henri fröhlich zusammen und angelt sich einen neuen Zweig vom Tisch in der guten Stube des Kötnerhauses aus Bahnsen.
Jasse und Carl haben weniger Erfahrung als Henri, aber mindestens ebenso viel Freude an der Bastelei. Die beiden Jungs kommen aus dem Wendland und sind mit Oma Inge Meyer hier. Carl bastelt sonst eigentlich gar nicht, entsprechend stolz ist er auf seinen frischen grünen Türschmuck.
Fast scheint es mir, als seien die Bohlsener an diesem Tag gemeinschaftlich nach Hösseringen ausgewandert, denn auch Imke Schröder-Behn, die mit ihren Kindern Johanna und Just Ole gekommen ist, wohnt im frisch gekürten Golddorf.
Und während Johanna eifrig eine Kette bastelt, muss Mutti Imke aufpassen, dass der kleine Bruder nicht in den großen Korb purzelt, in den er gerade neugierig den Kopf steckt.

Am nächsten Dienstag, dem 15. April, heißt es dann von 13 bis 15 Uhr Eier auspusten und Kränze basteln. Anschließend wird am offenen Feuer Rührei bereitet.


Elvis muss draußen warten und findet das gar nicht schön.



Mittwoch, 9. April 2014

Unsere Ferkel sind da!

Pssst! Unsere beiden kleinen Bentheimer Ferkel sind gestern angekommen. Ganz erschöpft vom Transport und von der Trennung von ihrer Mutter mussten sie sich erst einmal tief ins Stroh kuscheln und ganz tief schlafen. Zu aufregend war die Autofahrt aus dem Wendland, wo sie bei Familie Bense gewohnt haben, in ihr neues Zuhause hier in unserem kleinen Schweinestall. Da wollten wir sie fürs Foto nicht aufwecken!
Sieben Wochen alt sind die zwei kleinen Ferkelmädchen, die zur Rasse der Bunten Bentheimer gehören. Diese Schweinerasse war von 1959 bis 1964 im Zuchtverband des Bentheimer Schweines herdbuchmäßig erfasst, in der jüngeren Vergangenheit jedoch vom Aussterben bedroht. Der Landwirt Gerhard Schulte-Bernd aus Wengsel in der Grafschaft Benthein züchtete 20 Jahre lang die "Swatbunten" allein weiter. Seinem ehrgeizigen Engagement ist es zu verdanken, dass 1988 die Zucht erneut in das Herdbuch aufgenommen wurde. Die Bentheimer sind eine eigenständige Rasse, die sich so neben der konventionellen Zucht erhalten hat. Ihre typischen Merkmale sind die schwarzen Flecken und die Schlappohren. Unseren beiden neuen Museumsbewohnern dürften solche Spitzfindigkeiten ziemlich egal sein. Erst einmal ausschlafen und dann die neue Umgebung erkunden!

Dienstag, 8. April 2014

Die Kartoffeln sind gelegt




Sie heißt Afra, ist mehlig kochend, tiefgelb im Fleisch und angenehm kräftig im Geschmack. Ihr ahnt es schon, es handelt sich um eine Kartoffel. Am Wochenende waren unsere lieben Gartenhelferinnen Inka und Marion wieder da und haben im Imkerhausgarten nach dem Rechten geschaut. Im Gepäck hatten die Beiden außerdem einen großen Sack mit Afra-Knollen, die dringend auf ein Bett in der frischen Erde warteten. Das sollte ihnen im Garten des Kötnerhauses bereitet werden. Der Garten war ganz schön zugekrautet und die Zwei hatten mit Grubber und Sauzahn zu tun, um den grünen Teppich aufreißen zu können. Am Ende waren sich die beiden einig, dass es zwar ziemlich anstrengend gewesen ist, die Arbeit im traumhaften Ambiente des Museumsdorfes, umgeben von den alten Häusern und in Sichtweite der Schnuckenherde, aber viel Spaß gemacht hat. An einem der nächsten Wochenenden werden Inka und Marion wiederkommen und die zweite Gartenhälfte beackern. Danke Euch Beiden!
Der Garten des Kötnerhauses, das das erste Gebäude des Museumsdorfes ist, wurde im Stil der Zeit um 1930 angelegt. Im Kötnerhaus ist auch der Hühnerstall untergebracht. Ein kleiner Holzschuppen mit Lokus aus dem Jahr 1915 vervollkommnet das Ensemble. Er stammt aus Breetze im Landkreis Lüneburg.

Montag, 7. April 2014

Schweinemast im Eichenwald

Am Freitag geht es bei uns in einer Themenführung um Wald- und Holznutzung (siehe Veranstaltungen). Mischwälder waren noch bis in die Neuzeit wichtige Nahrungsquellen für die Tiere der Menschen. Insbesondere Eicheln und Bucheckern waren seit der Jungsteinzeit Grundlage der Schweinemast.
Jeder Hof in der Heide hatte Nutzungsrechte, die Bäume standen weit auseinander, damit sie große Kronen für einen reichen Fruchtansatz bilden konnten - die typischen Hutebäume, wie es auch in der Ellerndorfer Heide noch zwei gibt.
Dazwischen wuchs Gras oder niedriges Unterholz, das für Brennholz genutzt wurde. In den meisten Wäldern der Heide gehörten Buchen und Eichen dem Landesherrn, der sie verpachtete. Das Pachtgeld war eine wichtige Einnahmequelle.
Die Mastzeiten waren gewöhnlich auf acht Wochen zwischen dem 15. Oktober und dem 15. März festgelegt. Darüber hinaus hatte jeder Hof Weiderechte. Die Zahl der Tiere war zwar nicht begrenzt, richtete sich aber nach dem vorhandenen Winterfutter, das aus Heide, Stroh und Heu bestand. Sobald sich im Frühjahr das erste Grün zeigte, wurden die Kühe, Rinder, Ochsen und Ziegen in den Wald getrieben, wo sie bis zum Spätherbst ihr Futter fanden. Viele Tiere waren aus Futtermangel nach dem Winter völlig entkräftet.
Auf den Bildern (von oben):
Hutewald: So haben die alten Eichenmastwälder in der Heide ausgesehen. Bild des Landschaftsmalers Pascha Weitsch, 1779.
Fries am Fürstenhof zu Wismar von 1550, der einen Schweinehirt mit seinen fetten Schweinen im Wald zeigt.
Darstellung von Schweinen bei der Weide unter Eichen um 1500. Stickerei auf Banklaken, Kloster Lüne.
Schwein: Die alte hannoversche Schweinerasse war durch die langen Beine und den spitzen Rüssel gut für die Waldweide geeignet.


Alle Bilder aus: Ulrich Meyer: „Von der Lüneburger Heide zum Lüneburger Wald. Arbeit im Walde“, Materialien LWM 37, Hösseringen, 2010.

Freitag, 4. April 2014

Aus Ebstorf in die neue Welt und wieder zurück

"Certificate of naturalization" - wer dieses Dokument in den Händen hielt, hatte es geschafft! Die Einbürgerungsurkunde für die USA war für Generationen von Einwanderern das ultimative Dokument. Auch aus der Lüneburger Heide sind in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und nach dem "Gründerkrach" viele Menschen in die "neue Welt" gezogen, um sich ein neues, besseres Leben aufzubauen. Sie hatten Grund zur Hoffnung: Mit dem Homestead Act (Heimstättengesetz) schufen die USA 1863 eine Grundlage zum Landerwerb. Das von Präsident Lincoln unterzeichnete Gesetz erlaubte es jeder Person über 21 Jahren, sich auf einem bis dahin unbesiedelten Stück Land niederzulassen, sich ein etwa 64 Hektar großes Stück Land abzustecken und zu bewirtschaften. Nach fünf Jahren wurde man Eigentümer des Landes. Die Frist konnte durch die Zahlung von 200 US-Dollar auf sechs Monate verkürzt werden.

Ein Auswanderer aus unserer Region war Wilhelm Meyer aus Ebstorf. Im Juni 1908 hielt er die begehrte Urkunde in den Händen und durfte sich fortan "Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika" nennen. Urkunden wie diese finden sich naturgemäß selten in deutschen Archiven, denn sie verblieben bei ihren Eigentümern in den USA.
In diesem Falle aber erhielt sich ein "Certificate of naturalization" im Nachlass der Familie Meyer in Ebstorf, die es unserem Archiv zur Verfügung stellte. Denn Wilhelm Meyer, der in den USA zu Wohlstand gekommen war, kehrte noch im selben Jahr, in dem er eingebürgert wurde, aus Illinois zurück in die alte Heimat. Seine Eltern hatten ihn darum gebeten. Sein Schicksal sollte tragisch enden: Sechs Jahre später musste er wie so viele in den Krieg ziehen. Er überlebte nicht. Er starb vermutlich im April 1916 vor Verdun.

Donnerstag, 3. April 2014

Königliche Birnenblüte am Brümmerhof

 Ist das nicht eine Augenweide? Ganz schön zeitig blüht in diesem Jahre unsere Gute Luise am Brümmerhof und verschönt die Giebelfassade des mächtigen Wohnhauses auf wundersame Weise. Da kann auch das Auge nachvollziehen, dass Birnen zu den Rosengewächsen zählen. 
"La Bonne Louise", wie sie auch genannt wird, wurde allerdings nur zufällig entdeckt. Das geschah im Jahre 1778 durch einen Monsieur de Longueval in der Normandie, der die Birnensorte nach seiner Frau Louise benannte. Sie verbreitete sich schnell auch in Deutschland und wurde sogar auf der 7. Versammlung deutscher Pomologen zu Trier im Jahre 1874 unter die 50 anzupflanzenden Sorten aufgenommen. Seither sind eine ganze Reihe weiterer Namen für die Gute Luise erfunden worden, so etwa Prinz von Württemberg oder Französische Rousselet. 

Was nun aber William IV. mit unserer Spalier-Birne zu tun hat, können wir uns auch nicht erklären. Vielleicht schmeckt die Gute Luise ja so königlich, dass sie mit WilhelmIV., König von Hannover und König von England - ein Urahn von Georg I. aus dem Hause der Welfen, dessen Thronbesteigung vor 300 Jahren im Raum Hannover ja gerade viel Wirbel macht - verglichen wurde. Vielleicht spielte auch der Zauber einer heimlichen Ehe eine Rolle bei der Namensgebung. William verliebte sich nämlich unsterblich in Caroline von Linsingen, Tochter eines hannoverschen Generals, die er 1791 zu seiner Frau machte. Als die Sache aufflog, musste die Ehe allerdings aufgelöst werden. 
Wir gut, dass wir uns von unserer Guten Luise nicht so bald trennen müssen!

Dienstag, 1. April 2014

Was macht der alte Schuppen im Museum?


Gestern haben uns die Mitglieder des Gemeinderates Suderburg im Museumsdorf besucht und ihre Ratssitzung in unserem Seminarraum abgehalten. Gut, dass wir mit dem modernen Eingangsgebäude nun auch diese Möglichkeiten bieten können!
Vor der Sitzung war ein Gang übers Museumsgelände angesagt.
Unser Museumsleiter, Dr. Brohm, hat  unter anderem das Haus aus Oldendorf, unser zweitältestes Gebäude, vorgestellt. Beeindruckt waren die Ratsleute auch von der Ausstellung im Landhandelsschuppen aus Kiefen. Dass ein - auf den ersten Blick - unscheinbares Gebäude überhaupt den Weg ins Museum gefunden hat, ist ein Zeichen dafür, dass wir das Ziel haben, ein breites Spektrum an Lebensbereichen vorzustellen. Dazu gehören auch die Themen Landhandel und Genossenschaftswesen, die hier und im dazugehörigen Eisenbahnwaggon vorgestellt werden.

Der Landhandelsschuppen ist ein Beispiel für ein ländliches Wirtschaftsgebäude. Diese Bauten sind inzwischen sehr selten, denn sie blieben fast nie erhalten. In diesem Falle nutzte ihn der Eigentümer noch viele Jahre als Lager, nur deshalb wurde er nicht abgerissen. Für die Einwohner von Kiefen im Wendland war es jedenfalls anfangs ein etwas seltsamer Gedanke, dass ihr alter Schuppen nun ins Museum kommen soll. Die Inneneinrichtung hatten unsere Mitarbeiter bereits 1996 abgeholt, die Umsetzung des Schuppens fand aber erst im vorigen Jahr statt. Viele Partner aus der Region haben uns dabei unterstützt.

In der Ausstellungshalle aus Eimke hatten die Ratsleute dann noch Gelegenheit, mitzuerleben, wie eine Ausstellung entsteht. Hier wird ab Mitte Mai die Sonderausstellung über den Ersten Weltkrieg zu sehen sein.
Bürgermeister Hans-Hermann Hoff (hier rechts) kündigte an, regelmäßig im Museum zu tagen und sicherte die Unterstützung der Gemeinde zu. Danke!