Freitag, 29. August 2014

Die Schmiedelehrlinge sind da

Noch bis morgen lodern die Feuer der mobilen Schmiedeanlagen vor unserer Schmiedewerktstatt, in der natürlich auch ein Feuer entzündet ist. Schmied Arne Paysen und seine "Lehrlinge" sind hier vier Tage lang in Aktion und lernen gemeinsam die Grundzüge des uralten Handwerks. Arne Paysen ist Archäologe und hat sich auf altes Handwerk ebenso wie auf experimentelle Archäologie spezialisiert.
Einer seiner Schützlinge ist Heiner Grabenhorst aus Wienhausen. Für ihn ist das Schmieden nicht ganz neu, denn er hat - vor vielen Jahren - einmal Bauschlosser und Kunstschmied gelernt. Danach schloss er allerdings ein Studium der Sozialpädagogik an und arbeitete viele Jahre in diesem Bereich. Nun möchte er seine Kenntnisse reaktivieren und weiß auch schon wozu: Er wird demnächst dem Museumsdorf Hösseringen ein wenig "Konkurrenz" machen - und zwar im Dorfmuseum Langlingen im Landkreis Celle.
Hier will Heiner Grabenhorst künftig zu Aktionstagen die Feldesse in Gang setzen und den Schmiedehammer schwingen.
Rosi Lachmann-Kaul ist die einzige Frau, die sich für den Schmiedekurs angemeldet hat. "Ich finde, das Schmieden ist eine interessante Handwerkskunst. Ich möchte schauen, ob ich das auch lernen kann", erzählt sie. Ihr erster Eindruck ist "prima". Besonders wegen des "tollen Kompagnons" Heiner Grabenhorst, der auch noch aus ihrer Gegend stammt.
Rosi Lachmann-Kaul wird auf jeden Fall noch einmal ins Museumsdorf kommen, dann aber ohne Schmiedehammer.
Und auch Lehrmeister Arne Paysen ist mit seiner Truppe zufrieden. Für ihn geht die diesjährige Saison hier bei uns noch nicht zu Ende, denn gleich im Anschluss wird der Archäologe einen Kohlemeiler aufbauen und gemeinsam mit Studenten eine Woche lang köhlern.

Donnerstag, 28. August 2014

Naturfarben frisch zubereitet




Naturfarben selber herstellen und damit schöne Bilder malen - das konnten Kinder im Rahmen unseres Ferienprogrammes kürzlich. Die Zutaten waren denkbar einfach: Ziegelsteine, Dachpfannen und Lehm wurden unter Anleitung der Museumspädagoginnen Heike Dehrmann und Katrin Müller-Maaß zerkleinert und zu Pigmenten gemörsert. Mit Kaseinkleber vermischt und vermahlen entstand ein Farbpulver, das sich prima zum Malen eignet.



Aber nicht nur Steine und Lehm eignen sich zur Herstellung von Farben, sondern auch viele Pflanzen. So wurden Rote Beete geraspelt und der dabei entstehende Saft durch eine Tuch gefiltert. Hierbei entstand eine schöne magentafarbene „Tinte“. Auch mit frischen Dahlienblättern kann Farbe aufs Papier gebracht werden: Leuchtendes Gelb ergaben sowohl die Dahlienblätter als auch Tagetes durch Kochen.




Mit den frisch zubereiteten Farben gestalteten die Kinder Aquarelle und kleine Keilrahmen.

Mittwoch, 20. August 2014

Lernen und Experimentieren

Mit unseren neuen Laborarbeitsplätzen können wir uns noch mehr als außerschulischer Lernort profilieren. Ziel ist es, das Museum als ein Ort des Entdeckens, des Forschens und des Erinnerns - für junge ebenso wie für ältere Menschen anzubieten, für dieses Ziel steht auch das museumspädagogische Konzept, welches für uns von Dr. Rüdiger Lutz Klein erarbeitet wurde. Angebote zum Mitmachen für alle Schulformen vermitteln unterschiedliche Aspekte des ländlichen Lebens und Arbeitens. Hierbei werden Führungen
und Vorträge mit Experimenten und Praktika sowie die Arbeit mit Modellen zur Simulation historischer Alltagssituationen gekoppelt. Speziell für den schulischen Bereich wurde eine Fülle von Inhalten erarbeitet, die in den Unterricht der Fächer Geschichte, Sozialkunde, Geografie und Biologie eingebunden werden können. Sie haben entweder fachliche Schwerpunkte oder sind fächerübergreifend gestaltet. Laborarbeitsplätze mit Mikroskopen stehen für Experimente zur Verfügung. Sie ermöglichen die inhaltliche
Erweiterung des museumspädagogischen Programmes im naturkundlichen Bereich.
Mit verschiedenen Teilkonzepten werden unterschiedliche Altersklassen angesprochen, so Kindergärten und Grundschulen, Heranwachsende, Erwachsene und ältere Besucher. Für sie stehen eigens erarbeitete Experimente wie beispielsweise das Herstellen einer Chlorophylllösung aus Pflanzen oder der Vergleich von Licht- und Schattenblättern zur Verfügung. Arbeitsblätter nehmen Themen wie das Wirken von Albrecht Daniel Thaer, die Ökologie der Heide und die Landwirtschaft vor 1000 Jahren ebenso wie die Lebenswelt der grauen gehörten Heidschnucke in den Fokus.

Samstag, 16. August 2014

Aus der Erde in die Ausstellung – mit Umwegen

Dass sie 500 Jahre alt ist, sieht man ihr gar nicht an: eine Keramikschale, geborgen bei Bauarbeiten in der Schmiedestraße 7, hat uns Gerhard Oehlmann kürzlich geschenkt. Ausgegraben wurde die Schale allerdings nicht erst jetzt, sondern 1941, im Krieg, bei Bau eines Luftschutzkellers auf dem Grundstück der Familie Holtzendorf aus Uelzen. Damals hatten die Beteiligten sicher alles andere im Kopf, als nach Fundstücken in der Erde zu suchen. So ist es nur dem aufmerksamen Blick
eines neugierigen Vetters der Familie zu verdanken, dass eine alte Schale, die beim Aushub zutage getreten war, jedoch unbeachtet auf einem Schuttberg lag, gerettet worden ist. Er nahm das fast unbeschädigte Stück, das lediglich beim Schachten einen Kratzer abbekommen hatte, an sich und übergab es seiner Cousine Laura Holtzendorf, die es ihrer Schwester Alice Schlichtenhorst schenkte. Und diese nahm den Fund kurzerhand in Gebrauch – als Obstschale.

Niemand wusste, dass die glasierte zweihenklige Schale aus rotbrauner Keramik mit dem eingezogenen Rand und gelber Verzierung ein halbes Jahrtausend alt ist. Irgendwann schenkte Alice Schlichtenhorst das gute Stück ihrer Nichte Christa und deren Ehemann Gerhard Oehlmann. „Ich bin der einzige in der Familie, der sich für Archäologie interessiert“, erzählt Gerhard Oehlmann, der auch zu den Gründungsmitgliedern des Uelzener Museumsvereins gehört und sich mit alten Sachen auskennt. Er vermutet, dass die
Schale beim großen Stadtbrand von 1826, als das gesamte Schnellenmarktviertel abbrannte, verschüttet worden ist. Die Häuser um den Schnellenmarkt wurden anschließend recht schnell wieder aufgebaut, auch die namengebende Schmiede der Familie Holtzendorf in der Schmiedestraße. Als die Regierung zwei Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges die Anlage von Luftschutzkellern befahl, war aus der alten Schmiede längst eine Elektrowerkstatt geworden, die an der Elektrifizierung im Landkreis Uelzen maßgeblich beteiligt gewesen ist.

Gerhard Oehlmann weiß inzwischen, dass die Rettung der Schale ein großes Glück war, denn sie ist um die 500 Jahre alt. Vor einigen Wochen hat er sie dem Museumsdorf Hösseringen übergeben. „Ich hatte Exponate für die Weltkriegsausstellung zusammengestellt. Bei dieser Gelegenheit habe ich Günther Reimers vom Museumsdorf auch die Schale angeboten. Sie ist dort gut aufgehoben“, so Oehlmann, der sich freut, dass sein Familien-Erbstück in Hösseringen sogar zu besonderer Ehre kommen wird: Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm hat entschieden, die Schale in der neuen Dauerausstellung im Haus von 1596 aus Oldendorf (Luhe) zu zeigen. „Die Keramik passt gut in das Ausstellungskonzept. Gezeigt werden soll die Lebenswirklichkeit im 16. Jahrhundert und das ist genau die Zeit, als die Schale hergestellt worden ist. Außerdem stammt sie aus einem Haushalt hier in der Region“, so Dr. Brohm. In der Ausstellung ist als Dauerleihgabe der Stadtarchäologie Uelzen eine vergleichbare Schale zu sehen. Sie wurde in Teilstücken aus der Fehlbrandgrube einer Töpferei in Uelzen geborgen. Die von Gerhard Oehlmann gespendete Schale wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit in derselben Werkstatt gefertigt.

Donnerstag, 14. August 2014

Kleine Kapitäne ahoi!

Im Rahmen unserer Ferien-Mitmachaktionen laden wir am Dienstag, 19. August von 11 bis 14 Uhr zum Basteln von Rindenbooten ein. Kinder können aus Naturmaterialien ihr ganz besonderes Traumboot basteln und anschließend mitnehmen, um es bei der nächsten Gelegenheit zu Wasser zu lassen. Ob es schwimmt, kann vorher natürlich schon einmal in der Badewanne ausprobiert werden. 

Die Aktion dauert etwa 30 Minuten, Kinder können jederzeit hinzukommen. Die Kosten betragen 2 Euro.

Dienstag, 12. August 2014

Ein Armband für jedes 100. Kind

Eine kleine Überraschung hat das Team des Museumsdorfes Hösseringen für Ferienkinder vorbereitet: Jedes 100. Kind, das das Museumsdorf besucht, darf sich ein cooles Lederarmband aussuchen. Die Armbänder werden im Museumsshop angeboten und haben viele verschiedene Motive im Ethno-Look.

Natürlich lohnt sich ein Besuch im Museumsdorf auch sonst, zum Beispiel im Rahmen einer der vielen Mitmachaktionen, die in den 
Sommerferien ohne Anmeldung stattfinden.

Wer am Sonnabend, 6. und Sonntag, 7. September im Rahmen der Aktion „Bau’s mit Klaus“ mit Holz arbeiten möchte, sollte sich rechtzeitig anmelden unter 01 51 – 11 64 34 46. Der 7. September lohnt sich für einem Museumsbesuch gleich doppelt, denn dann findet auch das Köhlerfest statt.

Dienstag, 5. August 2014

Aufbauarbeit in Haus Oldendorf



Derzeit arbeiten wir intensiv an der neuen Ausstellung in Haus Oldendorf. Sie soll zum Ende des Jahres fertig sein und wie immer gibt es noch jede Menge zu tun. Thema der Dauerausstellung ist "Bäuerliches Wohnen und Arbeiten im 'langen 16. Jahrhundert'" - und auf viele Fragen dazu hat uns das Haus selbst Antworten gegeben.
Im Zuge der Umsetzung von Oldendorf/Luhe im Landkreis Lüneburg nach Hösseringen wurde eine Ausgrabung durchgeführt, bei der zahlreiche Funde zutage kamen, die von dem Leben der Bewohner in den 400 Jahren seit der Errichtung des Gebäudes erzählen. Neben Spielzeug, Löffeln und Messern, Arbeitsgerät und Geldstücken fand sich auch das Fragment eines kleinen Kammes.
Beim ersten Hinsehen unscheinbar sind sicher auch die bronzenen Buchschliessen. Sie stammen vermutlich von einer in Leder eingebundenen Bibel, wie sie in vielen Haushalten verbreitet war. All diese Gegenstände sollen ein Bild vermitteln, wie Menschen im 16. Jahrhundert lebten. Die Grabungsfunde allein reichen allerdings für die Ausstellung nicht aus und deshalb kommen noch Ausstellungsstücke aus der Region hinzu.
Bei der Gestaltung unterstützt uns das Büro Homann Güner Blum aus Hannover. Kürzlich war Anke Wallenhorst vor Ort, um die Ausstellungsplanung abzusprechen. Anhand der individuellen Geschichte des Hofes soll die allgemeine Agrargeschichte des 16. Jahrhunderts bis zum Vorabend des Dreißigjährigen Krieges dargestellt werden.

Freitag, 1. August 2014

Ernteeinsatz und Platzregen

Malerisch stehen sie derzeit unter dem großen Zelt auf der Freifläche vor dem Museumsdorf: Gelbe, duftende Garben aus reifem Roggen. Sie müssen hier noch einige Tage trocknen, denn unsere fleißigen Erntehelfer Philipp Ramünke und Adele Brazionyte wurden beim Einbringen des Getreides von einem Platzregen überrascht.
Bis zum Erntedankfest am 5. Oktober wird aber alles trocken sein und dann kann die Dreschmaschine wieder kräftig gefüttert werden.
Mit der Ernte ging es auch nicht so malerisch voran, wie es die Bilder suggerieren. Insbesondere Adele, die bei uns ihren Bundesfreiwilligendienst ableistet, musste feststellen, wie anstrengend die Landarbeit ist. 
Den Roggen dürfen wir auf einem Schlag bei Böddenstedt anbauen, Dank gebührt dafür Bauer Schwutke aus Holdenstedt, dem die Fläche gehört. Geerntet wurde mit dem Mähbinder, eine Erntemaschine, die um 1870 in Amerika entwickelt wurde und noch bis in die 60er Jahre auch bei uns im Einsatz war. Wie der Name schon sagt, mäht dieser das Getreide und bündelt es, das Dreschen wurde dann später erledigt.
Insgesamt 500 Bunde haben wir geerntet, nur gut, dass wir mit Henrik Ramünke einen fleißigen Helfer dabei hatten, der beim Beladen des Leiterwagens alles gab.

Also, nicht vergessen: Am 5. Oktober kann beim Dreschen zugesehen werden. Dann ist auch wieder unsere große Dampfmaschine im Einsatz.