Donnerstag, 19. Februar 2015

Die Welt im Kleinen

Sie sind klein, meistens weiß und sie sind märchenhaft oder verspielt, sportlich oder arbeitsam, tugendhaft oder komisch oder auch technisch versiert. Manche tummeln sich im Wilden Westen, andere in Feld und Wald und andere wiederum wollen ins Weltall fliegen - kaum zu glauben, dass sich hinter diesen vielfältigen Beschreibungen so etwas Profanes wie Margarinefiguren verbergen. Aber was heißt schon profan?

Die kleinen Figuren, die als "Zugabe" zur Margarine schon seit den 20er Jahren die Verkaufsläden bevölkern, sind nicht nur Kultobjekte für viele Sammler, sondern sie liefern auch ein Bild der jeweiligen Zeit, in der sie entstanden sind. Womit spielten Kinder in den 50er Jahren? Und wann kam die Dinosaurier-Hysterie auf? Wer es wissen möchte, wird auch im Reich der Margarine fündig.
Grund für den zusätzlichen Kaufanreiz war die große Vielfalt an Margarineherstellern, die insbesondere in den 20er Jahren ihre Artikel anboten. Also musste man mehr bieten als guten Geschmack, um das eigene Produkt verkaufen zu können und die Kundschaft daran zu binden. Die Idee der Margarinefigur wurde geboren - natürlich als Sammelartikel.
Im März 1954 war allerdings abrupt Schluss mit der kleinen Welt aus der Margarinedose: Vertreter der Margarine-Industrie waren übereingekommen, die Zugaben einzustellen.
Im Museumsdorf haben wir einen schönen Bestand an Margarinefiguren, die uns von Familie Oetzmann aus Deutsch Evern zusammmen mit anderen Spielzeugen übergeben worden ist.
Die Figuren werden Teil der Sonderausstellung über das Thema "Einzelhandel auf dem Lande", die ab 2016 gezeigt werden soll. Derzeit laufen die Vorbereitungen dazu.
Für die Ausstellung werden - neben weiteren Margarinefiguren - noch Zeugnisse aus der Region gesucht - alles, was mit alten Verpackungen zu tun hat, aber genau so die unbedruckte Spitztüte, die Rabattmarke oder auch der Lieferschein.

Freitag, 6. Februar 2015

Winterzauber und Hasennasen


Einfach traumhaft war heute die Stimmung hier im Museumsdorf. Die Sonne hat schon richtig Kraft und wärmt. Da freut man sich doch auf den Saisonstart am 15. März, wenn in der Schmiede wieder eingeheizt wird und Kinder im Körnerhaus Stockbrot backen. Ob das Wetter dann auch so schön sein wird, das lassen wir einfach auf uns zukommen...

Hätten wir unsere Museumshasen, die nach den Spuren im Schnee zu urteilen hier täglich unterwegs sind, besser beobachtet, wüssten wir freilich besser, wie sich das Wetter entwickeln wird. Laut einer alten Bauernregel der Lüneburger Heide wird der Winter nämlich mild, wenn der Hase im Herbst früh an den Kohl geht. Ist sein Fell rauh, dann ist jedoch mit einem harten Winter zu rechnen.
"Ist recht rauh der Hase, dann frierst du bald an der Nase", schreibt der Gymnasialprofessor und Heimatforscher Dr. Eduard Kück in seinem Buch "Wetterglaube in der Lüneburger Heide". Ein paar Rosenkohlröschen haben die Hasen im Garten von Haus Eschede jedenfalls übrig gelassen. Tragen sie etwa doch das rauhe Kalter-Winter-Fell? Auf jeden Fall sollten wir im kommenden Herbst mal besser aufpassen wie es sich verhält mit dem Pelz unserer Museumshasen.

Mittwoch, 4. Februar 2015

Warten auf die Gartensaison

Sturmfest und gartenzaunverwachsen...
Unsere Vogelscheuche wartet schon sehnsüchtig auf die neue Gartensaison. Das wir wohl noch ein wenig dauern und das stille, verschneite Museumsdorf ist ja auch ein wirklich schöner Anblick. Wer es gar nicht erwarten kann, kann aber auch schon jetzt ein wenig im Garten tun. Zum Beispiel die sommerblühenden Gehölze schneiden, so dass sie nach dem Winter richtig gut durchstarten können.
Gehölze, die uns im Frühjahr mit ihren Blüten erfreuen, dürfen jetzt im Winter allerdings nicht beschnitten werden, denn sie haben schon Blütenknospen. Auch die Stachelbeersträucher können beschnitten werden.
Und es gibt ja auch noch etwas zu ernten, nämlich Grünkohl, ein sehr gesundes Wintergemüse. Wir haben unseren Grünkohl leider schon abgeerntet, deshalb sieht der Hausgarten vom Haus Eschede ganz weiß aus.

Foto: Karl-Heinz Liebisch_pixelio.de


Wer noch welchen im Garten hat, kann sich über ein unglaublich nährstoffreiches Gemüse freuen, dass den Körper mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen versorgt. Grünkohl enthält Ballaststoffe und wirkt bei schonender Zubereitung entzündungshemmend, ist also ein richtiges Allrount-Talent unter den Kohlsorten.

Bild aus dem Handexemplar des
Kräuterbuches von Leonhart Fuchs



Anhand von archäologischen Funden lässt sich die Kultivierung von Kohl-Gemüsen in China in die Zeit bis vor etwa 7000 Jahren zurückverfolgen. Damit gehören die Kohl-Gewächse zu den frühesten kultivierten Nahrungspflanzen.
Hier bei uns in Norddeutschland ist Grünkohl, der rund um Braunschweig auch Braunkohl heißt, so eine Art Nationlagericht. Und das nicht erst seit gestern: Im Käuterbuch von Leonhart Fuchs von 1543 steht über den Anbau: "Die Kölkreüter pflantzt man hin und wider fast in allen gärten / wachsen aber gern in kalten und feüchten orten / mögen sonst nit wol auffkommen."

Dienstag, 3. Februar 2015

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

Exponate gesucht für unsere neue Ausstellung zum Thema „Kriegsgefangene als Arbeitskräfte“

Nach einer Konsolidierungsphase in diesem Jahr werden wir in 2016 mit zwei neuen Ausstellungen aufwarten. Derzeit laufen die Vorbereitungen für eine umfangreiche Exposition zum Thema „Kriegsgefangene und zivile Zwangsarbeiter als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft zwischen 1914 und 1918 sowie zwischen 1939 und 1945“, für die wir dringend weitere Belege und Objekte aus der Lüneburger Heide suchen. Der Einsatz von Kriegsgefangenen in den beiden Weltkriegen ist ein bislang von der Wissenschaft noch wenig erforschtes Gebiet, war aber in Kriegszeiten weit verbreitet. 

Auch auf dem Brümmerhof in Moide im heutigen Heidekreis arbeiteten mehrfach Kriegsgefangene. Die Gebäude des Brümmerhofes gehören zu den ersten, die ins Museumsdorf versetzt wurden. Ein seltenes Dokument aus dem Nachlass des Hofes ist eine Fotografie aus dem Jahre 1917, die den Belgier „Franzel“ mit Knecht Wilhelm beim Rübenverladen zeigt.
Ein Jahr zuvor war aus dem Lager Soltau ein Arthur zum Arbeiten auf den Brümmerhof geschickt worden. Er hat in der Fensterklappe des Speichers folgende Nachricht hinterlassen: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Arthur Clas(?)e, Kriegsgefangenen-Lager Soltau, Brümmerhof, den 25. März 1916 ... Adieu“
Die Identität Arthurs konnte aufgrund des nicht zu entziffernden Nachnamens nicht mehr ergründet werden, vermutlich stammte er aus Belgien. Zu diesem Zeitpunkt rechnete er wohl mit seinem Abschied aus der Gefangenschaft und freute sich darauf. 


Arbeitskräfte im Hinterland und in der Landwirtschaft fehlten in Kriegszeiten überall, was zur Folge hatte, dass die landwirtschaftliche Produktivität dramatisch zurückging. Es fehlten außerdem Futter- und Düngemittel und die beschlagnahmten Pferde und Fahrzeuge waren nicht ausreichend ersetzbar. Staatliche Bewirtschaftungsmaßnahmen bedeuteten zudem einen tiefen Eingriff in die Autonomie der landwirtschaftlichen Betriebe.
Um den Einsatz von Kriegsgefangenen möglich zu machen, wurden Vorschriften über Bewachung und Unterbringung gelockert, so dass auch kleineren Betrieben der Zugriff auf diese Arbeitskräfte ermöglicht wurde.

Zusätzlich wurden Saisonarbeiter aus den östlichen Nachbarländern mit dem Verbot der Rückkehr und des Arbeitsplatzwechsels an ihre „Arbeitgeber“ gebunden. Im Jahr 1918 waren im Landkreis Uelzen 3.200 Kriegsgefangene und 450 „Zivilarbeiter“ in der Landwirtschaft tätig, unter ihnen auch russische Gefangene, die beim Spargelstechen eingesetzt wurden. 

Die geplante Ausstellung soll ab 2016 dauerhaft im Speicher des Brümmerhofes gezeigt werden. Bislang sind in deutschen Museen insgesamt wenig Nachweise über das Thema „Einsatz von Kriegsgefangenen als Arbeitskräfte“ gesammelt worden. Wir würden uns über alle Arten von Belegen, Fotos, Zeugnisse von Kontakten, die nach dem Krieg aufrecht erhalten wurden, Briefe oder auch Erzählungen freuen.
Weitere Infos unter 0 58 26 / 17 74, abends unter 0 58 51 18 50.