Dienstag, 30. August 2016

Pirsch mit Detektor und Taschenlampe

Bat Night lockte viele Gäste ins Museumsdorf

Sie greifen keine Menschen an und sie fliegen auch nicht in Frauenhaar. Wer noch an derartige Mythen glaubt, wurde am Sonnabend Abend im Museumsdorf Hösseringen eines Besseren belehrt: Jede Menge Informationen rund um die Fledermaus gab es für mehr als 70 Besucher im Rahmen der erstmals im Museumsdorf veranstalteten „Bat Night“. Zum Auftakt wurde ein eindrucksvoller Film über das Leben der
Fledermäuse gezeigt. Währenddessen durften kleine und große Gäste im Eingangsgebäude ihr Talent beim Basteln erproben. Wolf-Eberhard von Trotha, der als ehemaliger Förster in Sachen Nisthilfen viel Erfahrung mitbringt, zeigt, was man beim Bau der Fledermaus-Kinderstuben beachten sollte. Auch Luka aus Holdenstedt dreht unter seiner Anleitung fachmännisch Schrauben ins Holz. „Den Kasten möchte ich heute noch aufhängen“, sagt er stolz. Alina wird sich ihren Nistkasten ebenfalls mit nach Hause
nehmen, sie hat es allerdings etwas weiter als Luka. „Ich komme aus Berlin“, erzählt die Achtjährige, die ihre Ferien diesjahr in Böddenstedt verbringt. Ob es in Berlin auch Fledermäuse gibt, weiß sie nicht so genau, aber das wird sich ja herausstellen. Alina hofft, jedenfalls dass ihr Kasten bald bezogen wird.

Im Schafstall beim Brümmerhof lädt Kinderbuchautorin Susanne Laschütza zum
Bilderbuchkino mit Klaus Fledermaus. Das kleine Mausohr bringt seine Fledermausfamilie ziemlich durcheinander, denn er kann einfach tagsüber nicht schlafen und Insekten schmecken ihm auch nicht besonders. Ob er etwa ein Vampir ist? Hofhund Paul sorgt lieber vor...

Auch für die Kinder im Museumsdorf darf das Zu-Bett-gehen an diesem Abend noch ein wenig warten, denn als die Dunkelheit herein bricht, bitten die beiden Förster und Fledermausexperten Martin Groffmann und Thomas Göllner zu einem Gang durch das abendliche Dorf. Ausgerüstet mit dem Bat-Detektor geht es auf die Suche nach den Jägern der Nacht. „Zu dieser Jahreszeit sind viele Fledermäuse unterwegs“, erläutert Thomas Göllner. Denn die Tiere haben ihre Jungen großgezogen und bereiten sich nun auf ihre Winterruhe vor. Sie jagen und fressen so viel sie können, bevor sie in etwa einem Monat ihre Winterquartiere aufsuchen. Doch an diesem Abend bleibt der Bat-Detektor erst einmal recht still. Am Dorfteich aber knattert er los, und als Martin Groffmann die große Taschenlampe übers Wasser schweifen lässt, ertönen aufgeregte Rufe. Die Kinder haben die Flattertiere als erste entdeckt.

Auch die Frage nach der Tollwut können die Fachleute beantworten: Im Landkreis Uelzen seien bislang keine Fälle aufgetreten. Wer eine verletzte Fledermaus findet, sollte diese aber auf keinen Fall ohne feste Handschuhe berühren. Ansonsten seien die kleinen Nachtjäger aber völlig ungefährlich.
Im Museumsdorf hat man sich vorgenommen, die Bat Night auf jeden Fall zu wiederholen und vielleicht noch auszubauen. Das freut auch Familie Voltmer aus Steimke. Die Voltmers haben die Bat Night zum Anlass genommen, um mit ihren Jungs Claas und Leonard zum ersten Mal ins Museum zu kommen. „Der nächste Kindergeburtstag findet auf jeden Fall hier statt“, sind sie sich sicher.

Donnerstag, 25. August 2016

Bat Night rund um die alten Häuser

Am Sonnabend, dem 27. August findet von 19.30 Uhr bis 22 Uhr erstmals eine „Bat Night“ im Museumsdorf Hösseringen statt. Im Rahmen der 20. Internationalen Fledermausnacht finden im Freigelände und in einigen Häusern verschiedene Aktionen für Kinder und Erwachsene statt, so die Ortung von Fledermäusen mit dem Batdetektor und das Basteln von Fledermausmasken. Wer Fledermäusen beim Aufzug des Nachwuchses helfen möchte, kann sich am Bau von Fledermausnistkästen beteiligen. Kinder dürfen sich auf Fledermausspiele freuen.

Die Illustratorin und Bilderbuchautorin Susanne Laschütza stellt im historischen Schafstall ihr Buch "Klaus Fledermaus" im Rahmen einer Lesung mit Bilderbuchkino vor und am Herdfeuer im Kötnerhaus werden Märchen erzählt.

Donnerstag, 18. August 2016

Kleine Welt ganz groß

„Leben unter dem Mikroskop“ heißt es morgen, Freitag, 19. August von 15 bis 17 Uhr hier bei uns. Der Biologe Rolf Alpers wird mit Gästen im Gelände Pflanzen sammeln und anschließend im Labor des Museums deren geheimes Innenleben erkunden. Auch Kleintiere sollen unter die Lupe genommen werden.

Wer in seiner Schulzeit am Mikroskop gesessen hat und seitdem keine Gelegenheit mehr zum
Mikroskopieren hatte, bekommt hier die Möglichkeit, seine Kenntnisse und Fertigkeiten aufzufrischen. Untersucht werden Pflanzen (Blätter, Blüten, Brennhaare) und deren Anpassung an den „Lebensraum Freilichtmuseum“. Auch Tiere, die sich beispielsweise im Heuaufguss angesiedelt haben oder im Dorfteich leben sowie Kleininsekten sollen näher betrachtet werden.

Im Museumsdorf stehen 20 Mikroskope zur Verfügung. Schwerpunkt ist also die eigene praktische Arbeit am Mikroskop. Die Teilnehmer suchen sich ihre Untersuchungsobjekte nach Interesse selbst aus. Gearbeitet wird mit originalen Objekten, nicht mit Fertigpräparaten. Es besteht die Möglichkeit, das Gesehene zeichnerisch festzuhalten.

Montag, 15. August 2016

Trinkfreudiger Mönch und Silberhorn

Kunstsachverständiger Klaus-Dieter Müller im Museumsdorf

Claudia B. aus Uelzen hat sich noch nicht ganz entschieden, welche Stücke sie begutachten lassen möchte. Aus ihrem Familienfundus hat sie eine reiche Auswahl dabei, von der Kutschlampe, die ihre Eltern in den 60er Jahren aus einem Holland-Urlaub mitgebracht haben, bis hin zum Römerglas und sechs zarten Limoges-Bechern
aus Frankreich. In ihrer großen Tasche sind noch mehr Dinge verborgen, über deren Geschichte und vielleicht auch Wert sie an diesem Sonntag im Museumsdorf mehr erfahren möchte. Zu Gast in Hösseringen ist an diesem Tag nämlich der Kunstsachverständige Klaus-Dieter Müller aus Deutsch Evern, der den Museumsgästen viele Fragen zu Alter oder auch Herkunft ihrer ganz persönlichen Schätze beantwortet. Der Andrang ist groß und schon am Morgen bildet sich eine Warteschlange im Seminarraum des
Museumsdorfes. Bis zum Abend soll das so bleiben. Unermüdlich nimmt Klaus-Dieter Müller all die Dinge entgegen, die die mehr als 160 Besucher mitgebracht haben. „Ist das ein echter George Grosz?“, möchte ein Besucher wissen. Immerhin sind seine Federzeichnungen mit Signum und Stempel versehen. Doch der scharfe Blick, wenn nötig mit Taschen- und Rotlichtlampe unterstützt, lässt kaum einen Zweifel: „Das ist ein Nachdruck. Eine echte Zeichnung hätte Verlaufsspuren im Papier hinterlassen“, ist sich
der Experte sicher.
Familie Bethge aus Lüneburg hat zwei Bilder mitgebracht, die nach dem Ersten Weltkrieg über verschlungene Wege aus Posen in Familienbesitz gekommen sind. „Die lagen lange auf dem Boden. Wir möchten gerne wissen, wie wir sie einzuschätzen haben“, sagt Günther Bethge und ist doch ein wenig enttäuscht, als sich der trinkfreudige Mönch als Massenprodukt nach einem Vorbild um 1900 herausstellt. Dafür ist die „Schlittenfahrt im Schnee“ ein interessantes Stück, eine Kopie allerdings auch. „Das Motiv stammt von Wierusz-Kowalski, einem berühmten polnischen Maler“, stellt Klaus-Dieter Müller fest.
Manfred Völker, bis vor kurzem Dokumentar im Museumsdorf, hat ein schwieriges Exponat aus Museumsbeständen mitgebracht: Ein „Silberhorn“ mit Standfuß und Gravur. „Das Teil haben wir in der Sammlung noch nicht erfasst, weil wie nicht wissen, was es ist“, sagt er. Doch hier muss auch der Fachmann passen und die Einschätzung auf später vertagen. „Vielleicht ein Trinkhornhalter“, mutmaßt Klaus-Dieter Müller. Er macht auf jeden Fall ein Foto und verspricht, mehr dazu herauszufinden.
Claudia B. aus Uelzen ist derweil noch mit der Sichtung ihrer Familienstücke beschäftigt. Soll sie das Teekännchen mit den japanischen Motiven oder lieber die grazile Rokokofigur zeigen? „Die stand bei uns immer in einer Vitrine. Sie stammt aus Frankreich, denn unter unseren Vorfahren gibt es Hugenotten“, erzählt sie. Auch über das kleine Poesiekästchen aus der Biedermeierzeit wüsste sie gern mehr.
Zeit zum Überlegen bleibt ihr genug, denn der große Andrang führt zu Wartezeiten. Die machen den Gästen aber wenig aus, denn das Begutachten der Sammelstücke stellt sich als spannender Zeitvertreib heraus. Viele Gäste unternehmen zwischendurch einen Spaziergang im Museumsdorf und bummeln durch die Ausstellungen. „Da haben wir wohl einen Nerv getroffen“, freut sich Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm über den Zuspruch. Eine Wiederholung steht in Aussicht.

Dienstag, 9. August 2016

Jetzt anmelden: Kurs mit Malermeister Thorsten Neidhardt


Alte Maltechniken vorgestellt

Eine Maltechnik mit sehr alter Tradition in passendem Ambiente vorgestellt: Malermeister und Restaurator im Handwerk Thorsten Neidhardt führt am Sonnabend, dem 20. August von 10.30 bis 17.30 Uhr im Museumsdorf Hösseringen in die Technik des Schablonierens ein. Die Malerei mit Schablonen dient dem Aufbringen von Ornamenten auf Flächen, eine Technik, die
bereits seit der Antike bekannt ist und seither in allen Stilepochen eingesetzt wurde.


Besonders beliebt war das Schablonieren in der Zeit des Historismus und des Jugendstils – und dafür finden sich auch in im Landkreis Uelzen Zeugnisse. Neben vielen Wohnhäusern in den Dörfern ist auch das alte Amtsgericht Uelzen, in dem heute das Standesamt untergebracht ist, ein schönes Beispiel für die Anwendung dieser Technik. Es wurde im Jahr 1901 erbaut und in den
1990er-Jahren restauriert. Entlang des Handlaufes zum Obergeschoss verläuft ein verspielter Fries aus Weinlaub, der im Zuge der Sanierung von Thorsten Neidhardt erneuert worden ist. Die Technik des Schablonierens wird heute insbesondere in der Restaurierung angewandt, erlebt derzeit aber auch eine Renaissance im privaten Bereich. Die Kursteilnehmer gestalten ihre eigene Schablonenmalerei, die sie anschließend mit nach Hause nehmen können. Dazu sollte
passende Kleidung mitgebracht werden.

Neben der Einführung in die Technik des Schablonierens gibt Thorsten Neidhardt eine Anleitung für die Fachwerksanierung, für Wandanstriche innen und außen sowie für den Anstrich von Holzfenstern. Die Kosten für den eintägigen Kurs betragen 45 Euro inklusive Einritt und Material.


Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung bis zum 12. August erforderlich, Tel.: 04131 / 244 91 00 oder buero@neidhardt-malereibetriebe.de.