Freitag, 28. Oktober 2016

Am Wochenende bei uns: Kerzen ziehen und altes Handwerk

Am Sonnabend, dem 29. Oktober und am Sonntag, dem 30. Oktober, jeweils von 10.30 bis 16.00 Uhr, können Kinder und Erwachsene unter Anleitung von Georg Zaja aus Bienenbüttel im Kötnerhaus auf traditionelle Weise Kerzen ziehen. Die Stipplichte können natürlich auch erworben werden. Georg Zaja zeigt außerdem, wie vielseitig man die Kerzen verzieren kann. Eine Spezialität aus Schweden und Dänemark sind dreiarmige Kerzen, die unter anderem zum "Lucia-Fest" in Gebrauch waren.

Am Sonntag arbeitet eine Weberin am historischen Webstuhl und gibt Auskunft zum Thema „Spinnen und Weben“, der Schmied führt sein Handwerk vor und die Gattersäge ist in Betrieb. Die kleinen Besucher können alte Arbeitsweisen in der Schmiede und am Kinderwebstuhl ausprobieren.

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Lecker, auch wenn mal der Wurm drin ist

Viele Gäste beim Apfeltag
„Sie haben etwas ganz Schönes mitgebracht!“ Eva-Maria Heller ist begeistert. „Das ist kein moderner Apfel“, weiß die Pomologin aus Waddekath und schneidet den kleinen rot-gelben Apfel auf. Schneeweißes Fruchtfleisch, ein kräftiges Aroma und eine schmale Kelchröhre geben Hinweise, aber die Bestimmung bleibt knifflig. „Wo steht denn der Baum?“ geht die Recherche weiter und auch die Kerne werden in Augenschein genommen. „Die sind wie die
Fingerabdrücke beim Menschen“, erläutert die Expertin, doch bei dieser Apfelsorte muss sie erst einmal passen, wahrscheinlich haben ihre Gäste eine Sorte aus Hessen ins Museumsdorf Hösseringen mitgebracht. „Da bleiben wir dran“, sagt Eva-Maria Heller und greift sich die nächste Frucht zur Bestimmung. Diesmal ist sie sich sicher: „Das ist ein Freiherr von Berlepsch, diese Sorte hat einen sehr hohen Vitamin-C-Gehalt und hält sich bis Februar“, gibt sie Valerij und Nina Hensel aus Uelzen mit auf den Weg. Auch der
Duft der alten Apfelsorte übertrifft jede moderne Züchtung. „Moderne Sorten haben kaum Aroma und auch die Inhaltsstoffe sind weniger reichhaltig“, bricht sie eine Lanze für die alten Sorten.
Rund um den Apfel drehte sich gestern alles im Museumsdorf Hösseringen. Neben der Apfel-Bestimmung mit Eva-Maria Heller lud das Museumsteam zu allerhand Aktionen ein. Kinder durften die Saftpresse bedienen und den selbst gepressten Saft dann natürlich auch gleich
verkosten. Emma, Lena und Hanke probierten, wer beim Wettschälen am schnellsten ist, und im Kötnerhaus hatte Heike Dehrmann jede Menge Gäste beim Backen von Apfelpfannkuchen.
Im Backhaus nebenan haben Achim Denecke und Alfred Baumgart den großen Holzbackofen angeheizt. Die großen Bleche mit Apfel-Dinkelkuchen nach altem Rezept der Bohlsener Mühle stehen schon bereit. „Jeder Backofen hat seine eigene Technik“, weiß Achim Denecke, ein bisschen Geduld müsse man dabei schon mitbringen. Wenn die richtige Temperatur erreicht ist, wird die Asche herausgeholt und der Backofen mit der Bäckerfahne „ausgefeudelt“, dann können die Bleche rein. Wenn der Kuchen ausgebacken ist, warten noch Bratäpfel im Glas auf ihren Einsatz. Die haben die Landfrauen spendiert.
Klaus Peiler vom NABU und sein Kollege Werner Steinke haben an ihrem Stand jede Menge Apfelsorten aus allen Ecken des Landkreises ausgebreitet, überwiegend alte und inzwischen selten gewordene Sorten wie beispielsweise den Gelben Edelapfel. Sechs Jahre lang haben Peiler und seine Mitstreiter den Landkreis auf der Suche nach alten Apfelbäumen durchstreift. Den Schönherr von Croncels haben sie dabei entdeckt und den Purpurroten Kussinov, eine Sorte, die schon im Mittelalter bekannt gewesen ist. „Apfelsorten wie zum Beispiel der Rote Eiserapfel oder der Prinzenapfel sind bereits in historischen Quellen erwähnt“, weiß Klaus Peiler. Die Namen sind oft mit Standorten oder Züchtern verknüpft wie beim Uelzer Rambour oder dem Celler Dickstiel, manchmal nehmen sie aber auch Bezug auf Besonderheiten. So etwa beim Klöterapfel mit seinem großen Gehäuse, in dem die Kerne klappern. In den Supermärkten haben es solche Äpfel aber schwer, weil sie nicht ganz so makellos aussehen, wie die modernen Züchtungen. „Da ist schon mal der Wurm drin“, lacht Klaus Peiler, „aber dann weiß man wenigstens, dass die Äpfel nicht gespritzt sind.“ Mit seinen Mitstreitern hat er eine Liste der entdeckten Apfelbäume erstellt, die auch dazu dienen kann, Reiser für Nachzüchtungen zu entnehmen. Nur einen Baum kennt er noch nicht: Den Riesenboiken in Linden. Den hat Harald Obitz entdeckt und seit gestern kennt er auch die Sorte.

Dienstag, 18. Oktober 2016

Kommt zum Apfeltag

Informationen und Aktionen rund um den Apfel

Am Sonntag, dem 23. Oktober findet von 11.30 bis 16.30 Uhr unser „Apfeltag“ statt. Die Veranstaltung wird zusammen mit dem NABU, der Landfrauengruppe Gerdau/Eimke und der Bohlsener Mühle durchgeführt. Der Pomologe (Apfelkundler) Reinhard Heller bestimmt ab 13.00
Uhr die mitgebrachten Äpfel der Besucherinnen und Besucher (3–5 Stück einer Sorte) und gibt Tipps zur Pflege und Lagerung des Obstes. Beratung zum Baumschnitt und zur Anlage von Streuobstwiesen werden ebenfalls angeboten. Säfte und andere kulinarische Produkte aus Äpfeln runden das Angebot ab. Kinder können Apfelsaft pressen, Apfelpfannkuchen backen oder an einem Wettschälen teilnehmen. Im Schafstall des Brümmerhofes gibt es Kaffee und Apfelkuchen.

Sonntag, 2. Oktober 2016

Wieviel ist genug?

Heute war Erntedank- und Kartoffelfest 
Zum Ende hin öffnete der Himmel seine Schleusen und schickte den in der Region lange erwarteten Regen plötzlich im Übermaß. Das machte den Besuchern des Erntedank- und Kartoffelfestes im Museumsdorf Hösseringen aber nichts aus, denn sie hatten einen langen Tag mit wunderbarem Spätsommerwetter und vielen Erlebnissen hinter sich.
Fröhlichkeit, Mitmachen, gutes Essen, aber auch Dankbarkeit für ein gutes Erntejahr standen im
Mittelpunkt des Traditionsfestes im Museumsdorf, das wie in jedem Jahr von der Landjugend und dem Museumsteam gemeinsam ausgerichtet wurde. „Wieviel ist genug?“, fragte Pastorin Stefanie Arnheim aus Suhlendorf, die den musikalischen Gottesdienst im festlich geschmückten Brümmerhof hielt. „Diese Frage wird jeder unterschiedlich beantworten, je nachdem, worum es geht. Genug Zeit, genug zu essen, genug Geld, genug zum Leben - was zählt im Leben?“, so die Pastorin, die passend
zum Ort des Geschehens den Bogen aus der Vergangenheit ins Heute schlug. „Nur noch zwei Prozent der Menschen sind heute in der Landwirtschaft tätig“, verglich sie mit den in den vergangenen Jahren stetig gesunkenen Arbeitskräftebedarf in der Landwirtschaft mit früheren Zeiten. Und sie machte deutlich, dass Leben mehr bedeutet, als satt zu werden. „Diejenigen, die genug haben, sollen mit denen teilen, denen es nicht so gut geht. Wer sich auf das Prinzip der Solidarität einlässt und von dem
gibt, was er hat, der wird auch ein ‚Genug‘, eine Zufriedenheit mit dem Seinen erlangen“, so Pastorin Arnheim.
Nach der besinnlichen Rast im Brümmerhof nahm der Trubel rund um die historischen Häuser wieder an Fahrt auf. Familie Voltmer aus Steimke machte Station am Kartoffelrüttler, den ihre Jungs Claas und Leonhardt mit jeder Menge Kraftaufwand an der großen Kurbel in Gang setzten. „Die großen Kartoffeln fallen in die Säcke und die kleinen unten in den Korb“, weiß Leonhardt, der auch schon die große Dampflokomobile und die Dreschmaschine bestaunt hat. „Da wird das Korn gedroschen“, erzählt er. Und weil es so schön ist, möchte er seinen Geburtstag, der am 8. Oktober ist, später im Museumsdorf mit Freunden nachfeiern.
Daniel Jendrosch aus Nettelkamp ist derweil mit Sohn Damian auf dem Kartoffelacker unterwegs. Damian sammelt eifrig Kartoffeln und ist der Meinung, dass diese irgendwie anders aussehen, als die, die sonst zuhause auf den Tisch kommen. „So ein bisschen rot“, meint er, dazu muss aber erst einmal die Erde abgeputzt werden. Schwester Maja hat einen ganz besonderen Fund gemacht: eine rote Herzkartoffel. Noch lieber als Kartoffeln essen die Beiden allerdings Nudeln, wie sie zugeben. Nun muss Platz gemacht werden, denn der Kartoffelroder tuckert lautstark heran.
Hanni aus Lüneburg, die mit den Großeltern aus Böddenstedt unterwegs ist, zieht es lieber zu den Schweinen, denn die machen nicht so viel Lärm. Die beiden Bentheimer lassen sich aber auch gar nicht aus der Ruhe bringen.
Und während die Norweger-Pferde bedächtig den Göpel drehen, am Sägegatter dicke Stämme in schlanke Bretter zersägt werden, die Schrotmühle tuckert und die Häckselmaschine langes Stroh klein macht, leert sich die Kuchentheke der Landjugend Rosche-Wieren im Eiltempo. „Wir haben unsere Torten schon alle verkauft und der Kuchen ist auch gut weggegangen“, freut sich Maren Sidor, die mit 20 Leuten vor Ort ist. Gebacken haben die Jugendlichen selbst, nur der Butter- und Streuselkuchen wurde von der Bäckerei „Hamburg“ beigesteuert, erzählt Henrick Grafelmann.
Bevor der große Regen kommt, geht auch noch das letzte Stück Kuchen über die Theke - und dann kann eingepackt werden. Im nächsten Jahr wollen alle wieder dabei sein.