Dienstag, 2. Mai 2017

Jeder muss einmal im Monat gelacht haben

Ausstellung mit Bildern von Wolf-Rüdiger Marunde eröffnet

Es passiert nicht oft, dass so ziemlich alle Besucher, die aus der großen Ausstellungsscheune des Museumsdorfes Hösseringen kommen, ein Schmunzeln auf dem Gesicht tragen. An diesem Wochenende schon, denn am Sonntag wurde die neue Sonderausstellung eröffnet: Unser dem Titel „Zweite Kasse!!!“ werden Bilder und Fotos von
Wolf-Rüdiger Marunde gezeigt. Zur Eröffnung berichtete der Illustrator und Cartoonist launig aus seinem Leben. Wolf-Rüdiger Marunde ist in einer ländlichen Gemeinde in Schleswig-Holstein aufgewachsen. „Einer meiner Onkel war Dorffriseur, ein anderer Schmied. Was man als Kind aufnimmt, prägt einen fürs Leben“, erzählte er. Im Alter von 13 Jahren gründete Wolf-Rüdiger Marunde gemeinsam mit anderen eine Schülerzeitung. „Die war natürlich auch politisch motiviert und aufmüpfig, das gehörte sich so“,
erinnert er sich. Und daran, dass der Direktor über ein Porträt von ihm geweint habe. Im Alter von 17 Jahren bestand Marunde die Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule. Seine Eltern seien allerdings nicht sehr erfreut gewesen, dass er das Abitur sausen ließ. Er habe Ihnen zumindest versprechen müssen, Kunstlehrer zu werden.
Dazu ist es nicht gekommen - und nicht zuletzt deshalb konnte das Museumsdorf Hösseringen zum nunmehr dritten Mal eine Ausstellung mit Wolf Rüdiger Marunde ins Leben rufen.
Nach Landleben und Jägerlatein in 1993 und 2008 nun also das Thema „Einzelhandel auf dem Lande“. “Diese Ausstellung ist nur auf den ersten Blick humoristische Ergänzung unserer Einzelhandelsausstellung“, so Museumsleiter Doktor Ulrich Brohm, “Die Bilder sind aber noch viel mehr. Sie sind auch eine thematische Fortführung.“ Die Ausstellung zeigt, fern von jeder Tante-Emma-Romantik, die Entwicklung des ländlichen Einzelhandels, die geprägt ist von einem beständigen Anpassungsdruck - und dieser Aspekt wird in Marundes witzigen Momentaufnahmen auch vielfältige Weise fortgeführt und ergänzt. „Auf seinen Bildern erscheint die Moderne in Gestalt von arroganten Großstädtern, die auf Fastfood bestehen, oder auch aus zwielichtigen Gestalten aus Amerika“, so Brohm. Diese brechen als Personifikationen der sich scheinbar irgendwo anders abspielenden Fortentwicklung der Welt in den ländlichen Raum ein und die dortigen Ureinwohner müssen sich mit ihnen auseinander setzen.
Einer heile Welt wird ja ohnehin nie geschildert auf den Bildern und Cartoons von Wolf-Rüdiger Marunde. Statt dessen nimmt er Themen aus vielen Bereichen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens liebevoll-bissig auf die Schippe. Gesellschaftspolitik, Umweltpolitik, Tiere und natürlich Zweierbeziehungen werden abgebildet, überspitzt und karikiert, und jeder findet sich irgendwann und irgendwo darin wieder. “Die verschiedenen Zielgruppen kann man nicht jede Woche zusammenbringen, aber jeder muss einmal im Monat gelacht haben“, so Marunde, der seine Aufgabe auch darin sieht, Trost und Zuspruch spenden. “Jeder denkt, Ihn hat es getroffen mit diesem oder jenem Problem, und ich kläre auf, dass es vielen anderen auch so geht“, sagt er.
Immer wieder passiert es Wolf-Rüdiger Marunde, dass Betrachter auf seinen Bildern ein Haus, einen Ort, einen Platz „mit Sicherheit“ erkennen, so auch auf dieser Ausstellungseröffnung. Grund hierfür sind die Detailtreue und der sichere Blick, mit dem er typische ländliche Situationen festhält. Als Ideengeber hierfür nutzt er Fotos, die bei seinen Fahrten über Land entstehen. Auch aus dieser Fotosammlung ist in der Ausstellung einer Auswahl zu sehen. Sie dokumentiert eindrucksvoll in besonderen Blick der Künstlers auf unsere alltägliche Umgebung.

Die Ausstellung „Zweite Kasse!!!“ ist bis zum Saisonschluss am 31. Oktober zu sehen.

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